In ihrem Vorwort bekennt sie, wie schwer ihr ein historisches Urteil gefallen ist, gab es doch enge persönliche Beziehungen zwischen ihrer Familie und der von Klausa. Gleichzeitig sieht sie sich den Opfern der Nazis emotional verpflichtet. Die Autorin rekonstruiert daher die historischen Begebenheiten, setzt sich mit den konkreten Handlungen und späteren Selbstrechtfertigungen des Landrats auseinander, gibt aber auch den jüdischen Opfern eine Stimme. Dafür hat sie eine Fülle von Augenzeugenberichten und Selbstzeugnissen ausgewertet.
Fulbrook schildert, welche Rolle der Landrat in der NS-Zivilverwaltung einnahm und welche Maßnahmen ihn in das Vernichtungssystem verstrickten. So führte Klausa die Ghettoisierung der Bevölkerung durch und schuf damit letztlich Voraussetzungen dafür, dass der Holocaust in grausamer Effizienz umgesetzt werden konnte. Das Buch zeigt auf eindrückliche Weise an einem Beispiel, wie das Mitwirken so vieler einzelner „normaler Nazis“, die als Rad im Getriebe funktionierten, den Holocaust erst ermöglichte.
Rezension: Dr. Heike Talkenberger





