Das Innere der Arabischen Halbinsel ist heute eine karge, lebensfeindliche Wüste. Doch das war nicht immer so: Noch vor einigen tausend Jahren war das Klima dort günstiger, es gab Wildtiere und in den Wadis gab es Wasser und Pflanzen. Schon in der Steinzeit gab es in dieser Gegend nomadische Kulturen, die Wildtiere jagten und teilweise kilometergroße Fangbauten wie die “Desert Kites” hinterließen. Während der Bronzezeit begannen einige Gruppen sesshaft zu werden und ließen sich in fruchtbaren Oasen im Nordwesten der Arabischen Halbinsel nieder. Von ihnen zeugen Überreste von Siedlungen, Friedhöfen, Wällen und anderen Bauten.

Oasen mit Schutzmauer
Eine Besonderheit der nördlich von Medina gelegenen Hijaz-Region in Saudi-Arabien sind einige bereits vor längerer Zeit entdeckte Oasen, die während der Bronzezeit offenbar von langen Schutzmauern umgeben waren. “Dieses Verteidigungssystem scheint den Beginn eines Urbanisierungsprozesses und des Oasenschutzes im nordwestlichen Arabien zu charakterisieren”, erklären Guillaume Charloux vom französischen Nationalzentrum für wissenschaftliche Forschung (CNRS) und seine Kollegen. Die größte dieser bronzezeitlichen Oasen, Tayma, ist von einer 19 Kilometer langen Schutzmauer umgeben.
Jetzt haben Charloux und sein Team eine weitere dieser arabischen Wüstenfestungen identifiziert. Im Rahmen von Feldstudien vom Oktober 2020 bis März 2023 hatten sie die Umgebung der Oase Khaybar näher untersucht. Diese drei Flusstäler umfassende Oase war bisher vor allem für ihre Festungsburgen aus islamischer Zeit bekannt, aber auch dafür, dass sie damals ein wichtiges landwirtschaftliches Zentrum war. Mithilfe von Untersuchungen vor Ort, Luftbildern und topografischen Karten haben die Archäologen untersucht, ob auch Khaybar schon in vorislamischer Zeit zu den mauerumspannten Wüstenfestungen gehörte.
Ringförmige Festungsmauer mit Dutzenden Bastionen
“Die archäologische Erkundung enthüllte die Existenz von zuvor unerkannten Festungsmauern von 15 Kilometer Länge”, berichtet das Team. “Der äußere Mauerring umringt dabei die komplette Khaybar-Oase und umschließt eine Fläche von rund 1180 Hektar.” Damit sei diese Konstruktionen eine der größten bisher aus der Hijaz-Region bekannten. Radiokarbondatierungen von Holzkohleresten unter den Mauern und ihre Bauweise sprechen dafür, dass der Festungswall aus der Zeit um 2600 bis 2200 vor Christus stammt. “Diese Datierung passt zudem gut zum Alter von Gefäßscherben, die im Umfeld der Befestigungen gefunden wurden”, schreiben die Archäologen.





