Magnus Hirschfeld: Einsatz für die Rechte Homosexueller - wissenschaft.de | DAMALS
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Einsatz für die Rechte Homosexueller
Magnus Hirschfeld (1868 –1935), Gründer des Instituts für Sexualwissenschaft in Berlin, war eine populäre, aber auch kontrovers diskutierte Person der späten Kaiserzeit und der Weimarer Republik. Der Mediziner leistete Pionierarbeit im Kampf für die Rechte sexueller und geschlechtlicher Minderheiten. Die…
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Geboren wurde Magnus Hirschfeld am 14. Mai 1868 im pommerschen Kolberg. Sein Vater, Hermann Hirschfeld, war – wie Magnus schreibt – „ein sehr angesehener und humaner Arzt“, ein „Freiheits- und Fortschrittsmann vom Jahre 1848“, der den Ausbau der Stadt Kolberg zu einem Ostseekur- und -badeort vorantrieb.
Dafür wurde dem Vater ein Jahr nach seinem Tod dort ein Denkmal gesetzt, das die Nazis später schleiften. Von seiner Mutter, Friederike Hirschfeld, geborene Mann, sind die genauen Lebensdaten unbekannt. Beide Elternteile kommen aus pommerschen jüdischen Familien.
Hermann Hirschfeld war 1871 Vorsitzender der jüdischen Gemeinde von Kolberg, sein Sohn hingegen bezeichnete sich später im Hinblick auf seine religiöse Zuordnung als Dissident, wobei der Zeitpunkt des Distanzierens gegenüber seiner Herkunftsreligion nicht überliefert ist. Zum christlichen Glauben konvertiert ist er nicht.
Magnus Hirschfeld war das siebte von acht Kindern. Besonders mit seinen Schwestern Recha (verheiratete Tobias) und Franziska (verheiratete Mann), einer bekannten Frauenrechtlerin, pflegte er lebenslang enge Kontakte. Mit Franziska veröffentlichte er 1918 die Broschüre: „Was jede Frau vom Wahlrecht wissen muß!“.
Seinen Wunsch, Sprachwissenschaft und Philosophie zu studieren, konnte Hirschfeld nur ein Semester lang in Breslau verwirklichen. Finanzielle Schwierigkeiten nach dem Tod seines Vaters dürften ihn veranlasst haben, einen der wenigen für Juden zugänglichen freien akademischen Brotberufe zu ergreifen und wie seine beiden älteren Brüder und sein Vater Medizin zu studieren.
Zwischen 1888 und 1892 waren Breslau, Straßburg, München, Heidelberg und Berlin seine Studienorte, danach ließ er sich als „Spezialist der diätetisch-physikalischen Heilmethoden“ in Magdeburg nieder, wo er das „Dr. med. Hirschfeld’s Sanatorium“ eröffnete, „die einzige concessionirte Naturheil-Anstalt in unserer Provinz“.
Reformbewegung verspricht auch sexuelle Freiheit
Doch wenige Jahre später nahm sein privater und beruflicher Weg eine ganz andere Richtung. Denn im Zuge der sich um die Wende zum 20. Jahrhundert herausbildenden, nahezu alle Lebensbereiche berührenden Lebensreform-Bewegungen etablierte sich auch die Sexualreform-Bewegung. Zu der gehörte das 1897 von Hirschfeld mitbegründete Wissenschaftlich-humanitäre Komitee (WhK) als weltweit erste Homosexuellen-Organisation.
Wie anderen ähnlichen reformorientierten Organisationen, etwa dem 1904 von der Radikalfeministin Helene Stöcker (1869 –1943) und dem Arzt für Geschlechtskrankheiten Max Marcuse (1877 –1963) mitbegründeten Bund für Mutterschutz, ging es dem WhK um die Liberalisierung des Sexualstrafrechts.
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Dazu übergab das Komitee 1898 eine von zahlreichen renommierten Politikern, Künstlern und Wissenschaftlern unterzeichnete Petition an den Deutschen Reichstag, die eine Streichung des mit der Reichsgründung 1871 eingeführten Paragraphen 175 RStGB verlangte, der gleichgeschlechtliche sexuelle Handlungen zwischen Männern mit Strafen bedrohte. Selbst mit Unterstützung der Sozialdemokraten, August Bebel trug die Forderung im Reichstag 1898 vor, gelang es bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges nicht, jene Strafrechtsänderung politisch durchzusetzen.
Gleichwohl hatte sich Hirschfeld bis dahin in seiner Funktion des WhK-Vorsitzenden als bekanntester deutscher Sexualreformer einen Namen gemacht. Dazu trug auch die Herausgabe des „Jahrbuchs für sexuelle Zwischenstufen“ (seit 1899) sowie die Veröffentlichung der großen Monographien „Die Transvestiten“ (1910) und „Die Homosexualität des Mannes und des Weibes“ (1914) bei. Mit seinem öffentlichen Eintreten für sexuelle und geschlechtliche Minderheiten polarisierte Hirschfeld die Gesellschaft.
Umstrittene Aktion: Der Reichskanzler wird geoutet
Das zeigte sich auch anlässlich des weltweit Aufsehen erregenden Prozesses (1907–1909) um den Vertrauten von Kaiser Wilhelm II., Philipp Fürst zu Eulenburg und Hertefeld. Magnus Hirschfeld diagnostizierte als Gutachter den gleichgeschlechtlicher sexueller Handlungen verdächtigen Graf Kuno von Moltke als „nicht bewusst“ homosexuell. Im Lauf des Prozesses musste er diese Expertise jedoch zurückziehen.
In dieser hochpolitisierten Debatte hatte der Anführer der zweiten Homosexuellen-Vereinigung namens „Gemeinschaft der Eigenen“, Adolf Brand, 1907 eine weitere strategische Frage im Umgang mit der Homosexualität prominenter Personen, dem heute so genannten Outing, eigenmächtig entschieden: Er behauptete, Reichskanzler Franz von Bülow führe eine homosexuelle Beziehung.
Mit dieser vom WhK abgelehnten offen-konfrontativen Strategie wollte Brand Bülow dazu bewegen, seine Zustimmung zur Abschaffung des Paragraphen 175 zu erzwingen, erreichte aber das Gegenteil, einen Verleumdungsprozess. Das Brisante daran war, dass Brand angab, die belastenden Informationen von Magnus Hirschfeld zu haben, der dies freilich bestritt.
Brand wurde wegen Verleumdung zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt. Übrigens hat sich Hirschfeld – wie die meisten seiner WhK-Mitstreiter – niemals ausdrücklich zu seiner sexuellen Vorliebe geäußert, höchstwahrscheinlich, weil es seinen Status als objektiver Wissenschaftler gefährdet hätte.
Einen weiteren öffentlichen Skandal provozierte der erste Aufklärungsfilm über Homosexualität („Anders als die Andern“), der unter der Regie von Richard Oswald 1918/19 entstand. Magnus Hirschfeld wirkte als Drehbuchautor mit und trat in Gestalt des Sexualtherapeuten und Aufklärungsredners darin auf. Dieser Streifen führte zur Wiedereinführung der Filmzensur (Lichtspielgesetz von 1920).
Die Abschaffung der Zensur war Teil der unmittelbar nach Kriegsende beginnenden Phase des Aufbruchs und der revolutionären Hoffnungen gewesen. Nach der Überwindung der imperialen Ordnung im November 1918 schien viel Neues möglich. Aktiv beteiligt am sozialdemokratischen Wahlkampf, erblickte Magnus Hirschfeld „das Morgenrot des Sozialismus“ und schöpfte nun Hoffnung für eine grundlegende Reform des Sexualstrafrechts – so auch die Abschaffung des Paragraphen 175 RStGB – in der neuen deutschen Republik.
Inmitten dieser Dynamik gründete er aus seinem Privatvermögen im Juli 1919 in einer klassizistischen Villa im noblen Zelten-Viertel des Berliner Tiergartens das weltweit erste Institut für Sexualwissenschaft. Dazu hatte er bereits zu seinem 50. Geburtstag 1918 eine „Dr. Magnus Hirschfeld-Stiftung“ zur Förderung der Sexualforschung eingerichtet.
Konzipiert hatte er das Institut als eine „Forschungsstätte, eine Lehrstätte, eine Heilstätte und eine Zufluchtsstätte“. Er rechnete aber mit finanzieller Unterstützung oder einer Übernahme durch den Staat. Zudem hoffte er auf die universitäre Angliederung, denn dem neuen Fach war bislang die akademische Anerkennung verwehrt geblieben.
Diese Hoffnung hatte sich aufgrund der Verschiebung des politischen Kräfteverhältnisses bis 1924, als die Anerkennung der Stiftung als gemeinnützig erfolgte, endgültig zerschlagen, sodass sich das Institut in den 14 Jahren seines Bestehens finanziell aus den Einkünften selbst tragen musste.
Neben Wohnungen gab es in der Villa auch Räume zur Behandlung und Beratung, für Laboruntersuchungen und für das Büro des Wissenschaftlich-humanitären Komitees (WhK). Später hatte auch die Weltliga für Sexualreform hier ein Büro. Zudem gab es nach dem Zukauf eines Nachbarhauses 1921 einen als Kinosaal nutzbaren Hörsaal, Ausstellungsräume und eine Bibliothek.
Obwohl das Wirken des Instituts von Hirschfelds Verständnis geprägt war, arbeiteten dort neben ihm Ärzte wie der Psychiater Arthur Kronfeld, der Sozialhygieniker Max Hodann, der Physiologe Arthur Weil, die Gynäkologen Bernhard Schapiro und Ludwig Levy-Lenz sowie Felix Abraham auch Juristen wie Kurt Hiller und Walter Niemann. Ebenso waren Transvestiten, die es schwerhatten, eine Anstellung zu finden, wie Dora Richter, Intersexuelle wie Erich Amborn oder Homosexuelle wie der Schriftsteller Bruno Vogel und Hirschfelds Lebensgefährte Karl Giese dort beschäftigt.
Nicht allen Gästen gefällt das Museum des Instituts
Prominente Gäste wie der britische Schriftsteller Christopher Isherwood oder der Kommunist Willi Münzenberg lebten zeitweilig im Institut. Besucht wurde es von Vertretern zahlreicher Organisationen, politischer Parteien, internationalen Wissenschaftlern, Künstlerinnen, Künstlern und Intellektuellen wie André Gide, nicht immer zu deren Wohlgefallen.
Besonders das sexualwissenschaftliche Museum war eine Attraktion, die Christopher Isherwood wie folgt beschrieb: „Hier gab es von Hirschfelds Patienten gemalte und gezeichnete Fantasiebilder. Szenen vom Hof eines priapeischen Königs [Priapus = griechischer Fruchtbarkeitsgott], der, hingeflegelt auf seinem Thron, anstelle eines Zepters seinen Phallus hielt und den grotesken Paarungen seiner Höflinge zuschaute. Ungewöhnlich traurige Schlafzimmerszenen, bei denen die Gesichter der Kopulierenden nur Bestürzung und Qual ausdrückten. Und es gab eine Fotogalerie, die von den Geschlechtsorganen von Pseudohermaphroditen bis zu berühmten homosexuellen Paaren reichte – Wilde und Alfred Douglas, Whitman mit Peter Doyle, Ludwig von Bayern mit Kainz, Edward Carpenter mit George Merill.“
Mit der Gründung des Instituts verfolgte Hirschfeld zwei Ziele: Einerseits brauchte er wissenschaftliche Argumente, die seine Forderungen nach einem modernen Sexualstrafrecht untermauerten. Andererseits wollte er der Sexualwissenschaft mit einer vorzeigbaren Einrichtung in bester Lage Berlins als eigenständiger und ernstzunehmender medizinisch-naturwissenschaftlicher Disziplin akademische Geltung verschaffen.
„Was natürlich ist, darf nicht bestraft werden“
Hirschfeld hatte sich nach dem Credo „was natürlich ist, darf nicht bestraft werden“ um die Jahrhundertwende dafür entschieden, mit der damals modernen genetisch-hormonellen Forschung, die er in seiner dreibändigen „Sexualpathologie“ bis 1920 vorstellte, für die Emanzipation sexueller Zwischenstufen, wie er Homo-, Inter- und Transsexuelle nannte, zu kämpfen. Dieser Forschungsansatz, die 1910 ausformulierte sogenannte Zwischenstufentheorie, dominierte in den Anfangsjahren die wissenschaftliche Tätigkeit der Institutsmitarbeiter. Weil er die Vielgestaltigkeit sexueller und geschlechtlicher Erscheinungsformen als Ergebnis einer angeborenen Veranlagung und der Produktion männlicher respektive weiblicher Hormone begriff, ließ er, um dies zu beweisen, die Familienstammbäume seiner (homo-, trans- und intersexuellen) Patienten durchforschen, Zellgewebe ihrer Hoden untersuchen, ihre Körper vermessen und jenen, die unter ihrer Homosexualität besonders litten und um Konversion baten, Hoden Heterosexueller transplantieren.
Mit dieser Orientierung an körperlichen Faktoren und biologischen Fragen zielte er darauf ab, das Ansehen des Fachs innerhalb der wissenschaftlichen Öffentlichkeit zu erhöhen. Doch entgegen seiner Annahme erwiesen sich die Materie als komplizierter, die Kausalitäten als uneindeutiger und die Untersuchungen als kostspieliger. Auch aufgrund der Folgen der Hyperinflation 1923 wurden die Forschungen nach den Ursachen der Homosexualität Mitte der 1920er Jahre eingestellt. In der Folge gerieten Magnus Hirschfeld und sein Institut langsam ins wissenschaftliche Abseits.
Nicht so in medizinpraktischer und sexualreformerischer Hinsicht: Die seit 1919 angebotene eugenisch ausgerichtete Ehe- und Sexualberatung florierte durch die Zunahme ökonomischer und sozialer Probleme genauso wie die Behandlung sexueller Leiden und Störungen. Dazu wurden im Institut verschiedene hormonhaltige Medikamente entwickelt und getestet, an deren Verkaufserlösen Magnus Hirschfeld und Bernhard Schapiro beteiligt waren und die wesentlich zum Erhalt der Einrichtung beitrugen. Diese Medikamenten-Forschungen an Institutspatienten wurden bis zur Schließung weitergeführt.
Außerdem entwickelte Hirschfeld ein therapeutisches Konzept weiter, er nannte es Adaptions-, später Milieutherapie, mit dessen Hilfe sich Homo-, Trans- und Intersexuelle besser an jene subkulturellen Milieus anpassen sollten, die ihren Neigungen entsprachen. Nicht zu vergessen ist die ausgedehnte lukrative Gutachtertätigkeit der Mitarbeiter des Instituts vor Gericht. Das Ziel war es dabei, den wegen ihrer damals strafbaren sexuellen Neigungen Angeklagten zu helfen.
Schon 1920 wurde auf Initiative des WhK, das seinen Sitz im Institut hatte, mit dem „Aktionsausschuss“ ein erstes sexualpolitisches Bündnis mit den zwei weiteren Homosexuellen-Organisationen, der „Gemeinschaft der Eigenen“ und dem „Deutschen Freundschaftsverband“, dem späteren „Bund für Menschenrecht“, zur Abschaffung des Paragraphen 175 RStGB ins Leben gerufen. Dieses Zweckbündnis brach wegen unvereinbarer Strategien der Akteure 1924 auseinander.
An dessen Stelle trat, nach der Bekanntgabe eines amtlichen Neuentwurfs für ein Sexualstrafrecht 1925, das unter Federführung Kurt Hillers arbeitende „Kartell für eine Reform des Sexualstrafrechts“. Dies war ein themenübergreifender Zusammenschluss linker sexualpolitischer Kräfte, die sich für eine Erleichterung des Scheidungsrechts, die Aufklärung über Verhütungsmethoden, die Legalisierung der Abtreibung aus sozialer Indikation und die Entkriminalisierung der Homosexualität einsetzten. 1927 legte das Kartell einen entsprechenden „Gegenentwurf“ für ein neues Sexualstrafrecht vor.
1929 erfolgte im Strafrechtsausschuss des Reichstages eine Abstimmung über den Fortbestand des Paragraphen 175 RStGB, dessen Abschaffung mit der Stimme des konservativen Vorsitzenden Wilhelm Kahl dem Reichstag zwar empfohlen, aber aufgrund der politischen Turbulenzen gegen Ende der Weimarer Zeit nicht umgesetzt wurde. Wegen diverser Anschuldigungen trat Hirschfeld kurz danach vom Vorsitz des WhK zurück, das daraufhin aus dem Institut auszog.
Noch 1928 hatte Hirschfeld in Fortsetzung der sexualreformerischen Bündnispolitik den ersten internationalen Zusammenschluss in der „Weltliga für Sexualreform“ ins Leben gerufen. Ihr Büro hatte diese Organisation im Institut. Viele Länder waren darin mit nationalen Sektionen vertreten. Auf den bis 1932 in wechselnden europäischen Städten stattfindenden Kongressen der Liga wurden Resolutionen zur Veränderung des Sexualstrafrechts verabschiedet.
Parallel zur Verstärkung der sexualreformerischen Aktivitäten in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre wurden im Institut Beratungs- und Aufklärungsangebote für die breite Bevölkerung ausgebaut sowie entsprechende populärwissenschaftliche Zeitschriften, Broschüren und Bücher produziert.
In speziellen, gut frequentierten Frageabenden konnte sich die Berliner Bevölkerung kostenlos über individuelle (Sexual-)Probleme aufklären lassen. Zudem war das Institut auch ein wichtiger Versammlungsort für Transvestiten. Felix Abraham bot für diese Beratungen an, berichtete über erste geschlechtsangleichende Operationen bei „Transsexuellen“ und initiierte eine Transvestitenorganisation namens „Club D’Eon“.
Hirschfeld trotzt Hetze und Gewalt
Schon anlässlich des Eulenburg-Prozesses und danach in der Folge der Aufführung des homosexuellen Aufklärungsfilms „Anders als die Andern“ diffamierten konservative wie rechte Kräfte Magnus Hirschfeld als jüdischen Sittenverderber, der die deutsche Moral untergrabe. Der antisemitische Hass kulminierte darin, dass man ihn 1920 in München nach einem Vortrag auf offener Straße niederschlug.
Seit Mitte der 1920er Jahre wurden Hirschfeld und sein Institut in den Zeitungen der Nationalsozialisten – „Der Stürmer“ (Hrsg. Julius Streicher), „Völkischer Beobachter“ (Hrsg. Adolf Hitler) und „Der Angriff“ (Hrsg. Joseph Goebbels) – systematisch als Feindbild aufgebaut. Nach der Machtübernahme von Hitlers NSDAP griffen darauf die Studierenden bereitwillig zurück, die am 6. Mai 1933 mit Lastwagen zur Plünderung vor dem Institut für Sexualwissenschaft vorfuhren.
Am 10. Mai 1933 landeten viele Exemplare aus der Bibliothek des Instituts anlässlich der Bücherverbrennung auf dem Berliner Bebelplatz in den Flammen, verkäufliche Teile der Einrichtung wurden versteigert. Offiziell geschlossen wurde das Institut am 14. Juni 1933 auf Anweisung des Berliner Polizeipräsidenten.
Magnus Hirschfeld war zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr in Deutschland. Er befand sich seit Ende 1930 auf einer Weltreise und verfolgte die Ereignisse vom Exil aus. Ein Versuch, in Paris ein neues Institut zu gründen, scheiterte. Magnus Hirschfeld starb am 14. Mai 1935 in Nizza. Einige seiner Mitarbeiter wurden in Deutschland verhaftet, andere tauchten unter oder flüchteten, einige begingen Suizid, nur wenige konnten ihre Karrieren im Ausland fortsetzen.
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