Für Dante war die Sache klar: Unheilbar sei sie, die Krankheit, unter der Florenz leide, und ihr Erscheinungsbild trage die Züge eines ewigen Bürgerkriegs. Denn hinter der glänzenden Fassade einer ruhmreichen und einzig dem Gemeinwohl dienenden Republik schwele der Machtkampf zwischen den großen Familien der Stadt, die sich gegenseitig befehdeten, zerfressen von der Gier nach Reichtum und Macht. Alle Maßnahmen, diese Machtkämpfe zu entschärfen, indem man die Verfassung der Kommune reformierte, neue Ämter einrichtete und Kompetenzen umverteilte, sie könnten nichts ändern an diesem Grundproblem. Und so gleiche die Stadt am Arno einem Kranken, der sich unruhig auf seinem Bett hin und her wälze, auf der Suche nach Linderung seiner Leiden, einer Linderung, die sich doch immer nur für einen Augenblick einstelle, um sogleich neuen Schmerzen zu weichen.
Das Wort des größten italienischen Dichters im Mittelalter hatte Gewicht. Denn Dante Alighieri (1265 –1321) wusste, wovon er sprach, war er doch selbst im Zuge der innerflorentinischen Parteikämpfe im Jahr 1302 aus seiner Heimatstadt verbannt worden. Er sollte sie nie wiedersehen. Doch das änderte nichts an der Richtigkeit seiner Analyse, im Gegenteil. Die „florentinische Krankheit“, sie hatte ihre Ursache tatsächlich in einer äußerst prestigebewussten und streitlustigen Führungsschicht. Dass aber die Heilung von dieser Krankheit just Ärzten gelingen sollte, indem sie unter der Führung einer Familie erfolgte, deren Familiename, Medici, zu deutsch eben „Ärzte“ bedeutet – von dieser fast kalauernden Ironie der Geschichte hätte der große Dichter auch dann nichts ahnen können, wenn er über geniale Intuition verfügt hätte. …
Den vollständigen Artikel finden Sie in DAMALS 03/2013.
Prof. Dr. Arne Karsten





