Schon bald nach der Erfindung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg erschienen in Deutschland erste Flugschriften und aktuelle Mitteilungen. Im Jahr 1605 wurde dann in Straßburg die erste periodisch erscheinende Zeitung herausgegeben, ein wöchentlich produziertes Nachrichtenblatt, in dem bereits überregionale Mitteilungen erschienen. Ähnlich wie noch heute Zeitungsartikel aus vergangenen Jahre oder Jahrzehnten geben solche historischen Zeitungen wertvolle Einblicke in Alltag und Ereignisse vergangener Zeiten.
Zeitgeschichtliche Dokumente aus 500 Jahren
Umso spannender ist es, wenn Wissenschaftler Zugriff auf gleich eine Vielzahl solcher historischen Zeugnisse erhalten. Das ist nun der Fall: Der Pressehistoriker Martin Welke hat in den vergangenen 50 Jahren Tausende von Exponaten zur deutschen und europäischen Zeitungsgeschichte gesammelt. Die Sammlung deckt einen Zeitraum von rund 500 Jahren ab – von den Anfängen erster periodischer Zeitungsdrucke bis in die Gegenwart. Diese Sammlung gilt damit als eine der größten ihrer Art in Europa und umfasst zahlreiche einzigartige Fundstücke, darunter Abonnentenlisten der ersten gedruckten periodischen Zeitungen aus dem 17. Jahrhundert.
„Meines Wissens gibt es das sonst nirgendwo“, sagt Daniel Bellingradt von der Universität Augsburg. Welche Schätze sich noch in der Sammlung verbergen, werden er und seine Kollegen in den nächsten drei Jahren im Rahmen eines vom Freistaat Bayern und der Stadt Augsburg geförderten Projekts erstmals wissenschaftlich untersuchen. Dafür wurde die Privatsammlung in eine dafür von Martin Welke und seiner Frau Sabine gegründete Stiftung Deutsches Zeitungsmuseum überführt. “Das Sammlungsgut soll in den nächsten drei Jahren gezielt aufgearbeitet und in zukunftsfähige Kontexte für Forschung, Lehre und museale Konzepte gestellt werden”, erklärt Bellingradt.
Zugang für Forschung und Öffentlichkeit
Dafür wollen die Wissenschaftler sich in den kommenden Monaten zunächst einen Überblick über die Sammlung und deren Potenzial verschaffen. „Besonders herausragende Themen und Objekte werden wir dann tiefgehender untersuchen”, sagt Bellingradt. Wichtige Dokumente und Objekte sollen dann digitalisiert werden, um den Zugang für weitere Forschung zu erleichtern. Zudem möchte Bellingradt ausloten, wie sich Teile der Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich machen lassen. „Denkbar sind beispielsweise Ausstellungen zu bestimmten thematischen Schwerpunkten, etwa zu den Dynamiken, Hintergründen und Medieneffekten von Fake News: Inwieweit gab es das früher schon, wer hat sie wie in die Welt gesetzt, welche Folgen haben und hatten solche Medienmanipulationen”, so der Wissenschaftler.
Geplant ist auch, mit digitalen Ausstellungsformaten zu experimentieren. Die Sammlung biete gerade den Vorteil, eine Langzeitperspektive auf Phänomene zu ermöglichen, mit denen wir uns auch heute konfrontiert sähen, meint Bellingradt. An der Universität selbst will er ausgewählte Exponate daher auch für die Lehrerausbildung im Fach Geschichte nutzen. „Am konkreten Material lassen sich Themen wie Medienmacht oder Zensurmaßnahmen ebenso erfahren wie technische Faktoren, die bei der Herstellung von Zeitungen eine Rolle gespielt haben“, sagt er. „Die Stücke machen Kommunikationsgeschichte sinnlich erlebbar.“





