Der “Schwarze Tod” war eine der verheerendsten Pandemien der Menschheitsgeschichte. Schätzungen zufolge starben während dieser Seuche zwischen 75 und 200 Millionen Menschen in Europa. In Großbritannien grassierte die Pest vor allem in den Jahren 1348 und 1349. “Ein Drittel bis die Hälfte der Bevölkerung starb damals innerhalb von weniger als zwei Jahren”, berichten Hugh Willmott von der University of Sheffield und sein Team. Auch in den folgenden Jahren kam es immer wieder zu neuen Ausbrüchen der Seuche.
“Trotz dieser Tatsache sind Massengräber von Pestopfern in England überraschend selten”, so die Forscher. Zu den wenigen gehören zwei solcher Gräberstätten in London, in denen die Toten eng beieinander in langen Reihen beerdigt wurden. Im ländlichen Raum gab es dagegen bisher keine Funde solcher Massengräber aus der Zeit des Schwarzen Todes. “Deshalb ging man davon aus, dass die ländlichen Gemeinschaften mit ihrer geringeren Population besser mit den Todesfällen umgehen konnten und keine Massenbestattungen benötigten”, erklären Willmot und seine Kollegen. “Es schien, als wenn sie ihre Verstorbenen weiterhin in möglichst normaler Weise bestatteten.”
Massengrab auf Klostergrund
Doch nun widerlegt ein spektakulärer Fund im englischen Lincolnshire diese Annahmen. Bei Ausgrabungen auf dem Gelände der ehemaligen Klosteranlage von Thornton Abbey entdeckten die Archäologen zu ihrer Überraschung zahlreiche Gräber. “Statt der erwarteten strukturellen Relikte enthüllte die Ausgrabung menschliche Skelette”, berichten sie. “Die Anordnung der Gebeine deutet darauf hin, dass diese alle auf einmal statt einzeln bestattet wurden.” Die Toten lagen dicht an dicht und in acht überlappenden Reihen, bei denen die Füße der einen Reihe zwischen die Köpfe der Folgereihe ragten. Bisher wurden 48 dieser Toten geborgen, darunter Männer, Frauen und 27 Kinder. Alle Toten waren sorgsam platziert und in Leichentücher gehüllt, besaßen aber keine persönlichen Gegenstände oder Grabbeigaben, wie Willmot und sein Team berichten.
Datierungen zufolge stammen die Toten in diesem Massengrab aus dem 14. Jahrhundert – und damit aus der Zeit, in der der Schwarze Tod in England wütete. Nach Angaben der Forscher berichten historische Aufzeichnungen aus Klöstern in der Nähe von Thornton Abbey von massenhaften Todesfällen durch die Pest im Jahr 1349 in dieser Region. Um herauszufinden, ob die im Massengrab gefundenen Toten tatsächlich durch die Pest starben, ließen Wilmot und sein Team Zahnprobe von 16 Individuen auf DNA-Spuren des Pesterregers Yersinia pestis hin analysieren. In einer Probe wurden die Forscher fündig. Sie schließen daraus, dass es sich bei den Funden von Thornton Abbey demnach um ein Massengrab von Pestopfern handelt.





