Das Gräberfeld von Valsgärde in der Nähe der schwedischen Stadt Uppsala ist für seine spektakulären Schiffsgräber bekannt. In der Zeit von 570 bis 1030 nach Christus wurden hier hochrangige Krieger in Booten bestattet, die alle mit dem Bug auf den nahen Fluss zeigten – bereit zur langen Fahrt ins Jenseits. “Die Krieger trugen reich verzierte Helme und Waffen, einige waren mit Metallblechen belegt, die mit Greifvogelmotiven geschmückt waren”, berichten Brigitta Berglund und Jørgen Rosvold von der Norwegischen Universität für Wissenschaft und Technologie (NTNU) in Trondheim.
Auf Federkissen gebettet
Die beiden Wissenschaftler haben sich nun zwei dieser Schiffsgräber genauer angeschaut. Die beiden rund zehn Meter langen Schiffe stammen aus der Zeit zwischen 600 und 700 und beherbergen jeweils das Grab eines eisenzeitlichen Kriegers. Neben ihren Waffen und Schilden waren diese Männer für ihre letzte Reise mit Nahrung, sowie Werkzeugen für die Jagd und das Kochen ausgerüstet. Auch Pferde und andere Tiere waren den Kriegern mit in ihr Grab gegeben worden. “Die toten Krieger waren damit bestens ausgestattet, um in die Unterwelt zu rudern, und konnten dann dort hoch zu Ross an Land gehen”, erklärt Berglund.
Eine Besonderheit der Schiffsgräber aus Valsgärde ist jedoch das Lager, auf dem die Toten gebettet wurden: “Die Krieger ruhten auf Kissen und Polstern, die mit Federn gefüllt waren. Zwar waren Daunenbetten im Mittelmeerraum schon seit der Zeit der Römer bekannt und wurden von den Eliten genutzt. In Nordeuropa jedoch sind diese Grabbetten das älteste bisher bekannte Zeugnis von Daunenbetten, wie die Forschenden berichten. Um herauszufinden, von welchem Vogel diese Federn stammten, haben sie erstmals Proben der Grabbetten aus beiden Schiffsgräbern näher untersucht. “Ich bin überrascht, wie gut diese Federn erhalten waren, obwohl sie seit mehr als 1000 Jahren im Untergrund begraben lagen”, sagt Rosvold.
Überraschende Federvielfalt
Die Federanalysen ergaben Überraschendes, denn anders als erwartet handelte es sich bei der Daunenfüllung der Grabbetten nicht um Eiderdaunen. Diese wurden in einigen Küstenkommunen im nördlichen Schweden damals schon systematisch von gezüchteten und in speziellen Entenhäusern gehaltene Enten gewonnen. Davon zeugen auch historische Überlieferungen: “Ohthere, der nordnorwegische Anführer und Seefahrer, teilte König Alfred von England um 890 herum mit, dass die Samen ihm ihre Steuern in Form von Federn gezahlt hatten”, berichten die Wissenschaftler. Das lege nahe, dass Federn schon einige Zeit vorher als Handelsware dienten.
Doch für die standesgemäße letzte Ruhe der Krieger in den Schiffsgräbern wurden überraschenderweise keine Entendaunen verwendet. “Es zeigte sich, dass die Grabbetten in Valsgärde eine Menge unterschiedlicher Federarten enthielten”, berichtet Berglund. Neben Daunen und Federn verschiedener Entenvögel wie Eiderenten, Stockenten und Pfeifenten sowie Graugänsen, fanden sich auch Federn von Auerhuhn und Birkhuhn, sowie von Wasservögeln, Krähenvögeln und sogar Eulen. Von einigen dieser Federn waren nur die weicheren Spitzen verwendet worden, den harten unteren Teil des Kiels hatte man herausgeschnitten.





