Die Entdeckung des Eisenzeithorts geschah durch einen Hobby-Archäologen: Im Dezember 2021 ging Peter Heads mit einem Metalldetektor das Feld eines Bauern in der Bähe des Orts Melsonby in North Yorkshire ab, als sein Gerät anschlug. Nach kurzem Graben stieß er auf mehrere augenscheinlich alte Metallobjekte und verständigte Archäologen der nordenglischen Durham University. Diese erkannten schnell die Bedeutung des Funds, sicherten die Fundstelle und kehrten 2022 für weitere Ausgrabungen zurück. Das Team um Tom Moore von der Durham University zog zwei Gräben und entdeckte in ihnen einen kleineren und einen größeren Hort.

Reifen und Pferdegeschirre von sieben Wägen
Die Melsonby Hoard getauften Funde stammten ersten Datierungen zufolge aus dem ersten Jahrhundert und damit aus der späten Eisenzeit kurz vor oder nach der römischen Eroberung Englands, wie das Team um Moore berichtet. Der Eisenzeithort umfasst mehr als 800 Objekte. “Der Melsonby Hoard hat damit eine Größe, die für Großbritannien und auch für Europa außergewöhnlich ist”, berichtet die Universität. Unter den Funden sind zahlreiche Teile von Streitwagen oder Kutschen, darunter 28 Eisenräder und aufwändig mit Mittelmeerkorallen und farbigem Glas verzierte Pferdegeschirre. Auch zeremonielle Speere und kunstvoll geformte Metallverzierungen lagen im Hort.
“Die Wagenfragmente wurden mit anderen Metallstücken gefunden, die darauf hindeuten, dass es sich hier nicht um die bekannteren zweirädrigen Streitwagen handelte, sondern um vierrädrige Vehikel”, so die Archäologen. Das Interessante sei, dass dieser Fahrzeugtyp für diese Region und Zeit wenig typisch war. Stattdessen habe die Machart der Wagen eher Parallelen in eisenzeitlichen Vehikeln aus Frankreich, Dänemark und Deutschland. Den Artenfakten zufolge müssen mindestens sieben dieser Wagen im Melsonby-Hort enthalten gewesen sein, wie Moore und sein Team berichten.
Absichtlich zerstört und verbrannt
Ebenfalls Teil des Eisenzeithorts waren zwei große, an beiden Enden der Grube gefundene Gefäße. Einer davon ähnelt einem Lebes, einem runden, kannenartigen Gefäß, das damals im Mittelmeerraum zum Mischen von Wein oder zum Kochen verwendet wurde, wie die Archäologen erklären. Das in Melsonby gefundene Exemplar ist aufwendig verziert. Das zweite Gefäß ist ein großer Metallkessel, an dessen Basis aufwendig gestaltete Fischmotive eingeprägt sind. “Die wirbelartigen Muster, die diese Fische umgeben, erinnern an die Metallverzierungen, die im späten ersten Jahrtausend vor Christus im europäischen La-Tène-Stil üblich waren”, erklärt die Durham University.





