Seit der Antike gehört Elfenbein zu den beliebtesten Materialien. Die Herkunft aus fernen, unbekannten Ländern und die Seltenheit machen seine Kostbarkeit aus. Besonders im Barock war die Nachfrage nach dem Werkstoff außerordentlich groß. So erlebte die Elfenbeinkunst ihre höchste Blüte im Wien des 17. Jahrhunderts zur Zeit von Fürst Karl Eusebius von Liechtenstein und Kaiser Leopold I. Die schimmernde Erscheinung des polierten Werkstoffs diente fürstlich-imperialen Repräsentationsansprüchen, war sein Besitz doch auch ein Ausweis von Macht und Reichtum. Die Ausstellung „Elfenbein. Barocke Pracht am Wiener Hof“, die vom 3. Februar bis 26. Juni 2011 in der Liebieghaus Skulpturensammlung gezeigt wird, konzentriert sich auf diese Blütezeit der Elfenbeinkunst und präsentiert in Zusammenarbeit mit dem Kunsthistorischen Museum in Wien rund 36 großartige, virtuose Schnitzereien, die das hohe Können der Künstler eindrucksvoll dokumentieren, darunter meisterlich gearbeitete Statuetten, Kannen, Pokale, Humpen oder Schalen aus Elfenbein, sogenannte Kunstkammerstücke ohne jeglichen Gebrauchswert. Die Werke stammen von den berühmtesten Elfenbeinschnitzern des Barock wie Adam Lenckhardt, Johann Caspar Schenck oder Matthias Steinl. Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit dem Kunsthistorischen Museum in Wien, dessen weltberühmte Kunstkammer derzeit aufgrund einer Generalsanierung geschlossen ist. Für das Liebieghaus bietet sich dadurch die einmalige Chance, eine solch hochwertige Auswahl an Meisterwerken aus der Kunstkammer des Kunsthistorischen Museums in Frankfurt präsentieren zu können, bevor sie Ende 2012 nach der Neueröffnung der Kunstkammer wieder dauerhaft in Wien zu sehen sein werden. Acht weitere hochkarätige Leihgaben der Ausstellung stammen aus der Sammlung Reiner Winkler.
Bereits in der Antike schuf Phidias große Götterstatuen, deren Haut aus Elfenbein gestaltet war; die Bibel beschreibt den gleichfalls aus Elfenbein zusammengesetzten Thron Salomos. Vor allem im Mittelalter und im Barock wurde der Werkstoff außerordentlich geschätzt. Die große Nachfrage führte dazu, dass sich dafür im 17. Jahrhundert neue Einfuhrhäfen etablierten; die ost- und westindischen Handelskompanien begünstigten den Transport vor allem afrikanischen Elfenbeins. Der Hinwendung zu solch notwendigerweise kleinformatigen Elfenbeinwerken kam entgegen, dass während des Dreißigjährigen Kriegs und der Pestepidemien Aufträge für großformatige Kirchen- oder Palastausstattungen kaum noch vergeben wurden oder ganz ausblieben. Daher wandten sich Bildhauer und ihre Auftraggeber zunehmend oder ganz der mobilen Kleinplastik zu.
In der Renaissance und im Manierismus war Bronze ein überaus beliebtes Material für Kleinplastik. Ihr aber lief im 17. Jahrhundert Elfenbein den Rang ab. Geschätzt wurde am Elfenbein die Elastizität des Materials bei gleichzeitiger Härte sowie die schimmernde Transparenz und feine Äderung, die an Fleischton erinnern. Hervorgegangen aus Elfenbeindrechseleien des 16. Jahrhunderts, aus frühen Werken wie denen des Furienmeisters, entwickelte sich im 17. Jahrhundert die hohe Zeit der Produktion von Elfenbeinkunstwerken. Seit der Jahrhundertmitte wurden neben den großen Bürgerstädten vor allem die weltlichen und geistlichen Residenzen Zentren der Elfenbeinproduktion, die erst im frühen 18. Jahrhundert an ihr Ende gelangte. Besonders in München und Augsburg, aber auch in Schwäbisch Hall, Ulm, Mecheln, Amsterdam, Dresden oder auch Düsseldorf arbeiteten Elfenbeinschnitzer.





