In Sachsenhausen starben Zehntausende Menschen, darunter Juden, Kriegsgefangene und politische Gefangene. Die dort begangenen Gräueltaten sind gut dokumentiert. Weniger bekannt ist, dass es „Elitehäftlinge“ gab, die unter besonderen Bedingungen im Lager lebten. Die Nationalsozialisten sonderten Gefangene mit prominenten Verbindungen zur Außenwelt ab – Personen, deren Tod oder Verschwinden für das Regime politisch heikel gewesen wäre. Auch Schuschnigg gehörte zu dieser Gruppe.
Die Historikerin Erika Rummel hat diesen Aspekt der KZ-Geschichte anhand von Quellen wie Tagebüchern und Briefen, die Schuschnigg aufgrund seiner Sonderstellung aus dem Konzentrationslager an Angehörige herausschmuggeln konnte, aufgearbeitet. Ihr Buch liegt nun auch in deutscher Übersetzung vor.
Die Bedingungen des „Sonderhäftlings“ waren keinesfalls mit dem Horror vergleichbar, dem „normale“ Häftlinge ausgesetzt waren. Schuschnigg stand ein eigenes Haus zur Verfügung, er hatte sogar zeitweise eine Haushaltshilfe. Zudem war es ihm gestattet, mit seiner Frau und seiner Tochter zusammenzuleben.
Die Quellen zeigen zugleich, wie sehr auch unter solchen privilegierten Umständen Strategien nötig waren, um mit der Gefangenschaft umzugehen und seine geistige Gesundheit zu erhalten. Schuschnigg bewahrte sich seinen Sinn für Humor, las Bücher, führte ein Tagebuch und war körperlich aktiv. Auch Musik und der Glaube an Gott gaben ihm Halt.





