Ziegler, der Adolf Hitler ebenso glühend bewunderte wie Richard Wagner, übertrug das in München Gesehene auf die Musik. Er selbst verstand sich als Volkserzieher; mit seiner Ausstellung wollte er dem Publikum die Augen öffnen für die Fehlentwicklungen und Defizite im Musikleben der Weimarer Republik. Die sah er keineswegs als die „Goldenen Zwanziger“, als eine Zeit des kulturellen Aufbruchs, sondern als eine Epoche der Fäulnis und der Unmoral.
Schon 1930 hatte sich Ziegler, der zu diesem Zeitpunkt stellvertretender NS-Gauleiter in Thüringen und Leiter der „Nationalsozialistischen Gesellschaft für deutsche Kultur“ war, mit scharfen Worten gegen den Jazz gewandt, welcher der „Negerkultur“ zum Sieg verhelfe. Die Oper „Jonny spielt auf “ des österreichi‧schen Komponisten Ernst Krenek, die 1927 in Leipzig ur‧aufgeführt worden war und ein großer Erfolg wurde, hatte ihn empört, war doch die Titelfigur ein schwarzer Jazzmusiker.
Auch in seiner Düsseldorfer Ausstellung hob Ziegler die Krenek-Oper als Musterbeispiel für „Entartung“ hervor: „Ein Volk, das dem ‚Jonny‘ nahezu hysterisch zujubelt, ist seelisch und geistig krank geworden und innerlich wirr und un‧sauber“. Ziegler wollte das deutsche Volk wieder auf den rechten Weg bringen. Die Schau sollte bei den Besuchern wie eine Schocktherapie wirken und sie zur instinktiven Abwehr alles „Fremden“ und „Kranken“ hinführen.
Bewusst wurde die Ausstellung deshalb abschreckend gestaltet. Einst gefeierte Operettenkomponisten wie Emmerich Kálmán, Oscar Straus oder Leon Jessel, Sänger wie Richard Tauber oder Dirigenten wie Otto Klemperer wurden etwa auf den Bildtafeln mit verzerrten Gesichtern dargestellt. Gegen die Komponisten Arnold Schönberg, Paul Hindemith und Kurt Weill richtete sich der Vorwurf, sie hätten die klassischen Meisterwerke verhöhnt und geheiligte Traditionen missachtet.
Ziegler war ein ästhetisch konservativer Wagnerianer, vor allem aber ein völkischer Rassist. Denn für die Veränderungen des deutschen Musiklebens, die er als Zersetzung bezeichnete, machte er „fremdrassige“ Einflüsse verantwortlich. Für noch gefährlicher als das Eindringen der „Negerkultur“ in die deutsche Kunst hielt er den Einfluss der Juden, die zielbewusst alle Werte verfälscht hätten. Gestützt auf Richard Wagner, der schon 1850 „Das Judentum in der Musik“ am Beispiel von Mendelssohn und Meyerbeer als „verhängnisvoll“ bezeichnet hatte, diagnostizierte Ziegler nun die Atonalität Arnold Schönbergs als jüdischen Angriff auf den „germanischen Dreiklang“.
Die Ausstellung wurde auf den Reichsmusiktagen gezeigt, die das Propagandaministerium als zentrales jährliches Musikereignis erstmals 1938 durchführte (nach 1939 fanden allerdings keine weiteren Reichsmusiktage statt). Die Veranstaltungswoche sollte einen Überblick geben über alle Sparten des Musiklebens von der Militär-, Chor-, Orchester- und Kammermusik bis zu Musikwissenschaft, Konzertwesen und Oper. Den festlichen Abschluss bildete eine kulturpolitische Kundgebung mit Joseph Goebbels, der als Festredner die enormen Fortschritte beschwor, die die Nationalsozialisten angeblich bewirkt hätten. In dieser Rede verkündete der Minister „Zehn Grundsätze deutschen Musikschaffens“. Dabei hob er hervor, dass die Musik im Volkstum verwurzelt sei und endlich „rassenrein“ werden müsse: „Judentum und deutsche Musik, das sind Gegensätze, die ihrer Natur nach in schroffstem Widerspruch zueinander stehen.“





