Ephesos in der heutigen Westtürkei war in der Antike eine der bedeutendsten griechischen Stadtstaaten Kleinasiens. Mit dem Artemis-Tempel stand hier eines der sieben Weltwunder. Als Ephesus jedoch 133 v. Chr. an das römische Reich fiel, kam es mehrere Jahrzehnte lang zu Spannungen und blutigen Konflikten der vornehmlich griechischen Bewohner mit den Römern.
Aufschwung unter Augustus
Erst als Augustus 27 v. Chr. römischer Kaiser wurde, beruhigte sich dies. Er machte Ephesus zur Hauptstadt der Provinz Asien und läutete damit eine Epoche des Wohlstands und er regen Bautätigkeit in der Metropole ein. In der römischen Kaiserzeit entwickelte sich Ephesos zu einer der größten Städte des Imperiums.
In dieser Zeit wurden zahlreiche öffentliche Gebäude errichtet, darunter Tempel, monumentale Brunnen und Amtsräume für die Politiker und Verwalter der Stadt. Viele dieser Gebäude konzentrierten sich am sogenannten “Staatsmarkt”, der Oberen Agora von Ephesos. Neue Grabungen von Archäologen der Universität Regensburg, der OTH Regensburg und dem österreichischen Archäologischen Institut (ÖAI) werfen nun ein neues Licht auf die Geschichte dieses antiken öffentlichen Ortes.
Älter als gedacht
Denn wie Funde an der Südseite der Oberen Agora belegen, erlangte der “Staatsmarkt” nicht erst zu Augustus Zeiten seine Prominenz. Stattdessen war er entgegen bisherigen Annahmen schon seit dem 2. Jahrhundert v. Chr. ein wichtiges innerstädtisches Zentrum des antiken Ephesos. Davon zeugt unter anderem eine lange Säulenhalle, einer sogenannte Stoa, die die Nordseite des Platzes begrenzte.
Auch ein über 150 Meter breites Gebäude derselben Art, das sich entlang der Südseite erstreckt, kann nun mit einiger Sicherheit in diese oder eine nur wenig spätere Zeit datiert werden. Zudem entdeckten die Forscher neue Baustrukturen im Bereich hinter einem prunkvollen rückwärtigen Eingang zur Stoa.
Nach Angaben der Forscher deuten diese Funde darauf hin, dass nicht erst politische Loyalität und kultische Verehrung gegenüber Kaiser Augustus die Hauptmotive für die Anlage des Platzes gewesen waren. Die Anlage lässt stattdessen vermuten, dass die Säulenhalle und vermutlich die gesamte Obere Agora in der Spätantike, etwa ab dem 4. Jahrhundert, nochmals einem umfassenden städtebaulichen Wandel unterlag. Das Areal dürfte dann nach Ansicht der Wissenschaftler bis wenigstens in das frühe Mittelalter – wenn auch in veränderter Form – genutzt worden sein.





