Noch heute zeugen prunkvolle Überreste von der einstigen Bedeutung der antiken Großstadt Ephesos. Sogar eines der sieben Weltwunder hatte sie zu bieten: den Tempel der Artemis. Bis in die Spätantike und die byzantinische Zeit hinein bildete die Stadt einen wichtigen Fixpunkt im Westen Kleinasiens. Doch gebeutelt von Plünderungen, Erdbeben und Pest verlor sie dann immer mehr an Bedeutung. Wie genau die Stadtentwicklung ablief, ist aber unklar. Um die einstigen Strukturen und die Geschichte von Ephesos zu beleuchten, erforschen bereits seit dem 19. Jahrhundert österreichische Archäologen die Überreste der berühmten Metropole. Nun berichtet das Team um Sabine Ladstätter von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) von spektakulären Neuentdeckungen.
Die Forscher stießen am Domitiansplatz, einer prominenten römischen Platzanlage im Zentrum der Stadt, auf die Überreste eines Bezirks, der in der Spätantike auf den älteren Strukturen entstanden war. „Die ursprünglich große römische Platzanlage war in der Spätantike durch Geschäfte und Werkstätten überbaut worden“, sagt Ladstätter. Die Strukturen schlummerten unter einer mächtigen Brandschicht, wodurch sie erstaunlich gut konserviert wurden, berichtet das Team. Bislang wurde auf einer Fläche von rund 170 Quadratmetern eine kleinteilige Verbauung, bestehend aus mehreren Geschäftslokalen freigelegt.
Einblicke in die frühbyzantinische Lebenswelt
Einzelne Räume dieses Viertels sind bis zu 3,4 Meter hoch erhalten geblieben und waren teils mit Hausrat gefüllt. „Überraschend war auch der exakte Zerstörungszeitpunkt und die daraus ableitbaren Implikationen für die Stadtgeschichte“, sagt Ladstätter. Der gesamte Gebäudekomplex stand offenbar bis in das Jahr 614/615 in voller Blüte, davon zeugen datierbare Münzen. Die Brandschicht repräsentiert dann das Ende, das wohl schlagartig über das Viertel hereinbrach. Denn offenbar wurde kaum etwas weggeschafft: Unter den Schichten kam ein reichhaltiges Inventar zum Vorschein. Tausende Stücke Geschirr, Reste von vielfältigen Nahrungsmitteln und Amphoren gefüllt mit eingesalzenen Makrelen fanden die Archäologen. Besonders spektakulär sind zudem vier zusammengehörige Goldmünzen sowie mehrere Geschäftskassen mit über 700 Kupfermünzen.






