Dass die beiden Luxemburger Grafensöhne im frühen 14. Jahrhundert Hauptrollen auf der Bühne der Reichspolitik spielen konnten, war eigentlich schon eine unwahrscheinliche Erfolgsgeschichte. Denn der 5. Juni 1288 hätte das Ende der Grafschaft Luxemburg markieren können: An diesem Tag verloren Heinrich VI. von Luxemburg und seine drei Brüder in der Schlacht von Worringen ihr Leben. Der Streit um das Herzogtum Limburg, den die Luxemburger mit Herzog Johann I. von Brabant ausgefochten hatten, war verloren. Die erhoffte Ausweitung der Luxemburger Grafschaft nach Norden hatte sich als ebenso mörderisches Vorhaben erwiesen wie die Hoffnung, mit Limburg auch den ersehnten Herzogstitel und damit die prestigeträch‧tige Rangerhöhung zum Reichsfürsten zu gewinnen.
Beim Tod ihres Vaters war Heinrich kaum neun, Balduin vielleicht gerade vier Jahre alt. Gute Beziehungen zum König von Frankreich retteten den Kindern die Zukunft. 1308 zum Erzbischof von Trier gewählt, gehörte Balduin zu den sieben Kurfürsten des Reichs. Als im selben Jahr Albrecht von Habsburg ermordet wurde, setzte er sich für die Wahl seines Bruders Heinrich zum König ein. Mit Erfolg, denn der Luxemburger schien den anderen Kurfürsten schwach genug, um ein König nach ihrem Geschmack zu werden.
Schon 1310 brach Heinrich VII. nach Italien auf. Die Kaiserkrönung in Rom sollte seine Autorität im Reich stärken. Aber der Romzug geriet nicht nur zum Höhepunkt seiner Regierung, sondern auch zu deren Katastrophe: In eine nicht abreißende Kette von Konflikten mit den italieni‧schen Kommunen, dem Papst und schließlich König Robert von Neapel verstrickt, erkrankte der Kaiser kurz nach Beginn seines Kriegszuges nach Süditalien. Zwar suchte er noch Linderung seiner Schmerzen in den Heilquellen von Macereto, starb aber schon im August 1313 nicht weit von Siena.
Seine Anhänger konnten sich den plötzlichen Tod nicht anders als durch Giftmord erklären, den sie seinem Beichtvater, einem italienischen Dominikanermönch, sicher zu Unrecht vorwarfen. Das Heer löste sich auf, Heinrich wurde nach Pisa überführt und im Chor des Domes beigesetzt. Eine weitreichende Entscheidung hatte er aber schon vor dem Aufbruch nach Italien getroffen: Er hatte seinen Sohn Johann mit der böhmi‧schen Königstochter Elisabeth verheiratet – und damit die eher bescheidenen Stammlande im äußersten Westen durch ein Königreich im Osten des Reichs vergrößert. Auf der Grundlage dieser Hausmacht würde 1346 erneut ein Luxemburger nach der deutschen Krone greifen – Karl IV., der Enkel Heinrichs VII.; auch dafür wurde die Unterstützung Balduins entscheidend.
Die Bilderchronik von Heinrichs Romfahrt war Bestandteil des Geschehens, von dem sie selbst Zeugnis ablegt – dem Aufstieg einer Grafenfamilie zur Erzbischofs- und dann Kurfürsten-, zur Königs- und schließlich zur Kaiserwürde. Die Chronik besteht aus 73 kolorierten, in Registern von je zwei Bildern pro Seite angeordneten und nur mit wenigen Worten erläuterten Federzeichnungen. Sie erzählen auf 37 etwa DIN-A-4-großen Pergamentblättern die Geschichte vom kometenhaften Aufstieg Balduins und seines Bruders – bis hin zum letzten Akt des Dramas in Italien.





