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Eroberung im Namen der Religion
Ihren Einsatz in Preußen bereiteten die Ordensritter gründlich vor. Kaiser Friedrich II. sagte ihnen in der „Goldbulle von Rimini“ zu, dass sie über die von den Heiden eroberten Gebiete weitgehende Herrschaftsrechte erhalten sollten. Doch auch in Preußen lief zunächst nicht alles nach Plan.
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Die geistlichen Ritterorden des Mittelalters entstanden im Heiligen Land, in Spanien und im Baltikum, um den christlichen Herrschern dauerhafte Unterstützung zu bieten, da die Teilnehmer der Kreuzzüge meist nach kurzer Zeit wieder in ihre Heimatregionen zurückkehrten. Die Ritterorden entwickelten als erster Ordenstyp Strukturen, die einen intensiven Austausch zwischen Herkunfts- und Einsatzregion erlaubten. Menschen, Material, Lebensmittel, Geld und andere Ressourcen mussten von den Ordenshäusern im Westen ins Heilige Land gebracht werden. Die zunehmend adlig dominierten Ritterorden tendierten zu einer Verdichtung ihrer Besitzungen, wie es den spanischen Ritterorden in Andalusien gelang. Der Johanniterorden konnte durch die Eroberung von Rhodos, der Deutsche Orden durch seine Eroberungen im Baltikum eine eigene Landesherrschaft aufbauen.
In den Jahren nach dem Rückzug des Deutschen Ordens aus Siebenbürgen war Hochmeister Hermann von Salza vor allem damit beschäftigt, Kaiser Friedrich II. bei seinen Kreuzzugsplänen zu unterstützen und zwischen dem Kaiser und Papst Gregor IX. (amt. 1227–1241) zu vermitteln, als eine neue Entwicklung eintrat.
Die polnischen Herrscher hatten sich schon seit dem 12. Jahrhundert um eine Unterwerfung der noch heidnischen Prußen bemüht, aber die Mission unter dem wohl aus dem Kloster Lekno (im heutigen Polen) stammenden Bischof Christian (seit 1215) und zwei Kreuzzüge in den Jahren 1222/ 1223 brachten nur Teilerfolge. Vielmehr antworteten die Prußen mit massiven Gegenangriffen, bei denen Masowien bis zur Weichsel verwüstet und auch Oliva zerstört wurde.
Laut der von Peter von Dusburg in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts verfassten Ordenschronik „Chronicon Terrae Prussiae“ beriet daher Herzog Konrad von Masowien mit seinen Bischöfen und Adligen über einen Einsatz des Deutschen Ordens, um so gleichermaßen die Unterstützung von Kaiser und Papst zu gewinnen. Konrad habe dann 1225 durch Gesandte den Orden aufgerufen, Preußen zur Ehre und zum Ruhm Gottes einzunehmen.
Die Operation in Preußen wird gut vorbereitet
Das Scheitern in Ungarn und die Verwicklungen im Heiligen Land trugen sicher dazu bei, dass sich Hochmeister und Orden vor einem Eingreifen in Preußen besser absichern wollten. Peter von Dusburg berichtet von Beratungen mit dem Papst, dem Kaiser und den deutschen Fürsten. Ein Ergebnis war zweifellos die von Friedrich II. zuerst im März 1226 ausgestellte „Goldbulle von Rimini“. Sie übertrug dem Orden nicht nur das durch Konrad zugesagte, noch zu erobernde Kulmerland, sondern alle weiteren Eroberungen.
Der Kaiser handelte dabei nicht als deutscher König, König von Italien oder Burgund, sondern als Weltenherrscher, der für die Ausbreitung des Christentums zuständig war. Hochmeister und Orden erhielten für die zu erobernden Gebiete weitreichende Herrschaftsrechte über Grund und Boden, Gewässer, Zölle, Märkte, Münze, Bergbau und Steuern, eine Amtsgewalt, wie es in der Urkunde heißt, wie sie „auf beste Weise auch jeder Reichsfürst“ ausübe. Der Hochmeister wurde damit zwar nicht zum Reichsfürsten, denn Preußen lag bis zum Ende des Alten Reichs (1806) außerhalb des Heiligen Römischen Reichs. Die „Goldbulle von Rimini“ entwickelte sich jedoch im Folgenden zur zentralen Grundlage der Ordensherrschaft.
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Bevor es endgültig zum militärischen Eingreifen des Ordens kam, verhandelten die Ordensvertreter auch mit Konrad von Masowien. Konrad fand sich schließlich 1230 im Kruschwitzer Vertrag zur Übertragung der vollen Besitzrechte über das Kulmerland an den Orden bereit. Offen war jedoch noch das Verhältnis zu Bischof Christian, der in Preußen eine eigene Herrschaft aufzubauen versucht hatte. Im Vertrag zu Rubenicht von 1231 musste der Orden dem Bischof zwei Drittel der unterworfenen und künftig zu erobernden Gebiete zugestehen.
Diese Aufteilung änderte sich, als Christian 1233 in prußische Gefangenschaft geriet. Papst Gregor IX., der sich bisher zurückgehalten hatte, bestätigte nunmehr im August 1234 in der „Bulle von Rieti“ dem Orden alle Eroberungen und nahm sie für den Heiligen Stuhl in Besitz.
Die darin vorgesehene Neuordnung der geistlichen Strukturen führte 1243 zu einer Einteilung Preußens in vier Bistümer (Kulm, Pomesanien, Ermland, Samland) durch den Legaten Wilhelm von Modena. Als der inzwischen freigekommene Bischof Christian die Übernahme eines dieser Bistümer ablehnte und gegen die Aufteilung vorging, wurden die Bistümer zumeist mit Mitgliedern des Dominikanerordens besetzt. Der Deutsche Orden erhielt dabei jeweils zwei Drittel der Bistümer zur Verwaltung.
1230 treffen die ersten Ordensritter ein
Seit dem Ende des 13. Jahrhunderts teilten sich die Bischöfe ihre Gebiete wiederum mit den Geistlichen an den Kathedralen ihrer Bistümer, den Domkapiteln. Diese erhielten ein Drittel der bischöflichen Territorien, sodass es am Ende neben dem Orden acht weitere Landesherren gab. In dreien der vier Bistümer bestanden die Domkapitel seit dieser Zeit aus Deutschordenspriestern, sodass auch die von den Kapiteln gewählten Bischöfe mit der Ausnahme des Ermlands immer aus dem Orden kamen.
Zunächst musste jedoch Preußen erst einmal erobert und zumindest formal christianisiert werden. Das erste größere Ordenskontingent kam 1230 unter Hermann von Balk nach Preußen. Mithilfe von Kreuzfahrern und deutschen Siedlern wurden zuerst die Burgen und Städte Kulm und Thorn begründet. Der Orden gab 1232 mit der „Kulmer Handfeste“ einen Teil seiner Rechte an seine Untertanen weiter, und die Urkunde wurde zur Grundlage des im Ordensland vorherrschenden Kulmer Rechts.
Es folgte die systematische Eroberung des rechten Ufers weichselabwärts und des Frischen Haffs. 1233 wurde die Burg in Marienwerder angelegt, anschließend eine Stadt. 1237 war das Frische Haff erreicht, wo zunächst Burg und Stadt Elbing, dann 1239 die Burg Balga entstand. Der Orden folgte damit einem schon im Heiligen Land und von deutschen Fürsten praktizierten Modell. Die Burgen und mehr noch die Städte als „Großburgen“ dienten der Herrschaftssicherung. Noch Mitte des 15. Jahrhunderts erinnerten die preußischen Stände daran, dass ihre Vorfahren einst durch ihre Ansiedlung die Etablierung der Landesherrschaft in Preußen ermöglicht hätten.
Zur selben Zeit kam ein weiteres Betätigungsfeld des Deutschen Ordens im Baltikum hinzu. In Alt-Livland hatten seit 1186 die Bischöfe die Christianisierung vorangetrieben, nach Problemen mit der friedlichen Mission mit immer neuen Kreuzzügen. Seit 1202 wurden sie dabei vom neu gegründeten Schwertbrüderorden unterstützt, der sich neben den Bischöfen von Riga, Dorpat und Ösel-Wiek in einem Drittel der Bistumsterritorien als Landesherr etablieren konnte und erfolgreich gegen die dänische Herrschaft in Estland vorging.
Im Mai 1236 erlitten die Schwertbrüder eine schwere Niederlage gegen die Litauer, bei der der Meister Volkwin und ein großer Teil der Brüder umkamen. Papst Gregor IX. ordnete daraufhin – wohl gegen den Wunsch des Deutschen Ordens – eine Vereinigung der beiden Ritterorden an. Der preußische Landmeister Hermann von Balk musste nach Livland ziehen, um dort die Verhältnisse zu ordnen.
Auch wenn die Eroberungen der Schwertbrüder im dänischen Herrschaftsbereich zurückgegeben wurden, blieben große Probleme bestehen. Das Verhältnis zum (Erz-)Bischof von Riga war ungeklärt, und in Fortsetzung der Politik der Schwertbrüder drohten Konflikte mit den russischen Fürstentümern. Dabei kam es im April 1242 zur Niederlage auf dem Peipussee gegen Alexander von Nowgorod (Alexander Newski), die für Livland weitgehend folgenlos blieb.
Möglicherweise löste jedoch diese Niederlage den ersten konzentrierten Abwehrversuch der Prußen gegen den Orden aus. Unterstützt von Herzog Swantopolk von Pommerellen gelang es den Prußen seit 1242 innerhalb kurzer Zeit, viele Burgen des Ordens zu erobern, niederzubrennen und die Besatzungen zu erschlagen. Nur Thorn, Kulm und Rheden im Süden sowie Balga und Elbing am Haff konnten gehalten werden.
Erneut halfen dem Orden Kreuzfahrerheere, die Lage zu stabilisieren, ohne dass eine Entscheidung gefallen wäre. Am Ende kam es unter Vermittlung des Legaten Jakob von Lüttich 1249 mit den Prußen zum Frieden von Christburg.
Wie gewaltsam ist die Christianisierung?
In manchen eher populärwissenschaftlichen Darstellungen wird die Eroberung Preußens durch den Deutschen Orden als „kultureller Genozid“ dargestellt. Tatsächlich führte die gewaltsame Christianisierung der prußischen Stämme zu vielen Opfern bzw. zur Flucht nach Litauen, und die im Lande Verbliebenen mussten durch die Übernahme des Christentums einen Teil ihrer Traditionen aufgeben. Andererseits blieben die Prußen auch nach dem Aufbau der Ordensherrschaft in ihren Dörfern, nutzten weiterhin ihre Landessprache und bewahrten wohl auch vieles an ihren bisherigen Bräuchen.
Schon Papst Gregor IX. hatte in der „Bulle von Rieti“ darauf bestanden, die Vereinbarungen mit den Neugetauften einzuhalten. Die formale Unterwerfung ganzer Stämme wie im Fall der Barten, die nach der Taufe „Männer des Ordens“ wurden, lässt viel spekulativen Spielraum in Bezug auf die tatsächliche Form der Ordensherrschaft, bei der wohl Kriegsdienst, Burgenbau und die Zehnten als Belastung empfunden wurden.
Der Friede von Christburg (1249) wurde aber zwischen gleichberechtigten Partnern geschlossen. Die Prußen erhielten „die Freiheit der Kinder Gottes“, ein günstiges Besitz- und Erbrecht, durften frei Ehen schließen, vor Gericht auftreten, konnten Geistliche werden oder den Ritterstand erwerben.
Die Strukturen des Ordenslandes
Obwohl diese Rechte an das Bekenntnis zum Christentum gebunden waren, bedeutete der 1260 ausbrechende, zweite große Abwehrkampf der Prußen nicht, dass die Regelungen des Friedens ihre Bedeutung verloren, weil nur die zuletzt eroberten Gebiete vom erneuten Abfall vom Christentum betroffen waren. Möglicherweise verhinderte der erneute Krieg aber die Errichtung der im Vertrag vorgesehenen Kirchen in den prußischen Dörfern. Die Prußen gingen während der Ordensherrschaft meist im nahe gelegenen deutschen Dorf zur Kirche und blieben daher in ihren Dörfern unter sich, solange sie ihre Abgaben leisteten.
Dem Orden gelang schließlich mithilfe weiterer Kreuzfahrerkontingente bis 1274 die Rückeroberung seiner Herrschaft, bis 1283 konnten die verbliebenen prußischen Gebiete unterworfen werden. Danach setzte verstärkt die ländliche Siedlung in Preußen ein. Die nach Kulmer Recht mit einer Handfeste privilegierten, genossenschaftlich organisierten Hufenzinsdörfer umfassten 40 bis 80 Hufen. Die Bauern verfügten über zwei Hufen (rund 33 Hektar) und leisteten dafür Geldzinse sowie bestimmte Naturalabgaben wie Hühner und Pflugkorn. Sie waren persönlich frei und konnten ihre Höfe mit Zustimmung des Ordens weitergeben, solange ihr Nachfolger in ihre Pflichten eintrat.
Die Hakenzinsdörfer der prußischen Bauern waren dagegen deutlich kleiner, zehn bis 50 Haken. Die prußischen Bauern bewirtschafteten zwei Haken (rund 20 Hektar) und leisteten dafür vor allem Naturalabgaben wie Getreidezehnte (Weizen, Roggen, Gerste und Hafer) sowie Scharwerksdienste, etwa beim Bau von Burgen, Straßen und Dämmen. Sie konnten sich freikaufen und so in den Stand der „kleinen Freien“ aufsteigen, der Kriegsdienst mit leichten Waffen leistete. Der christianisierte prußische Adel wurde dagegen in den Stand der „großen Freien“ integriert, der die neue preußische Adelsschicht bildete.
Die Verwaltung des Landes wurde ausgehend von den Konventen, den Ordensburgen mit Brüdern, von einem Komtur organisiert, dem ein Bezirk und kleinere Ordenshäuser unterstellt waren. Die prußischen Siedlungen lagen meist in den Kammer- oder Waldämtern, die den Komtureien unterstanden. Die Komture waren nicht nur für die Verwaltung ihrer Häuser, sondern auch für die Siedlungspolitik und das Gerichtswesen ihrer Bezirke zuständig.
Neben den frühen Gründungen Kulm, Thorn und Elbing entstanden mit Königsberg und der bischöflichen Gründung Braunsberg noch weitere städtische Zentren – neben über 90 kleineren Städten. Durch die im Konflikt mit dem um 1320 wiedervereinten Polen durchgesetzte Eingliederung Pommerellens kam auch Danzig unter die Ordensherrschaft. Die Stadt erhielt erst 1343 eine Urkunde nach Kulmer Recht, übernahm aber schon zum Ende des Jahrhunderts die Führungsrolle unter den sechs preußischen Großstädten. Diese beteiligten sich an der Ausbildung der Hanse, waren auf Hansetagen und in den Kontoren vertreten. Der Orden, selbst nicht Mitglied der Hanse, partizipierte über die preußischen Kaufleute an den hansischen Privilegien.
Gemeinsame Sache gegen die Vitalienbrüder
Der Hochmeister und die führenden Brüder unterstützten die Städte in ihrer Politik, auch wenn sie sich aus den Konflikten – etwa mit Dänemark – heraushielten, und die Städte stimmten sich mit dem Orden ab. Nur einmal konnten die Städte den Orden zu einem aktiven militärischen Eingreifen bewegen, 1398, als Gotland zum Stützpunkt der Vitalienbrüder geworden war, deren Überfälle den Ostseehandel bedrohten. Die Städte mobilisierten eigene Schiffe und stellten dem Orden weitere Schiffe zur Verfügung. Gotland wurde erobert und vom bereits abgesetzten König Albrecht von Schweden als Pfand genommen. Nach einem weiteren militärischen Konflikt entschloss sich der Orden allerdings 1407/08 zur Übergabe der Insel an Margarethe I., die Herrin von Dänemark, Königin von Norwegen und Schweden.
Der Deutsche Orden kam bereits in der Mitte des 13. Jahrhunderts mit den noch heidnischen Litauern in Berührung. Als Fürst Mindaugas (reg. 1238–1263) Litauen weitgehend unter seiner Führung geeinigt hatte, nahm er 1253 mit Unterstützung des Ordens das Christentum an und wurde mit Zustimmung des Papstes durch Bischof Heidenreich von Kulm zum König gekrönt. Der Orden erhielt zum Dank die Landschaft zwischen Preußen und Litauen, Samaiten, ohne sich dort festsetzen zu können.
Mindaugas wurde 1263 ermordet, sein Land zerfiel danach in mehrere Teilfürstentümer und wurde erst 1293 unter Vytenis wieder vereint. Dessen Bruder und Nachfolger Großfürst Gediminas (reg. 1316–1341) begann danach mit einer offensiven Politik gegenüber den russischen und mongolischen Territorien, die Litauen bis hin zum Schwarzen Meer expandieren ließ. Die Lage ihres Reiches zwischen römischen und orthodoxen Christen erlaubte es den litauischen Herrschern, ihre Taufe als diplomatisches Mittel einzusetzen, während sie ihre territorialen Ziele verfolgten.
Seit dem ausgehenden 13. Jahrhundert suchte der Deutsche Orden gegen die Litauer vorzugehen, um die Christianisierung Litauens durchzusetzen. Litauen war ein weitaus stärkerer Gegner als die Prußen, die Brüder konnten nicht hoffen, das Fürstentum gänzlich zu erobern oder zu unterwerfen. Stattdessen setzte man auf kleinere militärische Unternehmen, die die Litauer zu Verhandlungen über eine Taufe bewegen sollten, gleichzeitig wollte man einzelne Mitglieder der oft einander bekämpfenden Herrscherfamilie für eine Konversion gewinnen.
Seit 1336 konnte der Orden verstärkt auf die Unterstützung durch den westeuropäischen Adel bauen. Ein- oder zweimal im Jahr zogen von Königsberg, Tilsit oder Ragnit aus Kreuzzugskontingente auf die „Reise“ gegen die Litauer, meist entweder im Sommer, wenn die vielen Wasserläufe im Grenzgebiet nur wenig Wasser führten, oder im Winter, wenn diese zugefroren waren.
Kreuzfahrer aus ganz Europa zieht es in den Osten
Die französischen, englischen und niederländischen, aber auch deutschen Herren kamen mit großem Gefolge und Aufwand nach Preußen, um hier an einem Kreuzzug teilzunehmen. Wenn die Lage günstig schien, zog man nach Litauen, um neue Burgen zu errichten, litauische Befestigungen, aber auch Äcker, Dörfer und Städte zu zerstören, Bewohner und Vieh zu verschleppen. Die Litauer antworteten ihrerseits mit ähnlichen Feldzügen nach Preußen.
Wer sich auf der Reise ausgezeichnet hatte, wurde am Ende durch die Herolde am „Ehrentisch“ geehrt. Die Anführer der Adelskontingente ließen ihre Beteiligung im Königsberger Dom, in Wappenbüchern oder auf Kunstwerken für die dauerhafte Erinnerung festhalten.
Es war für die Brüder ein Fehlschlag, dass die Christianisierung Litauens nicht durch den Orden, sondern durch die dynastische Union Litauens mit Polen zustande kam. Als Ludwig I., König von Ungarn und Polen, 1382 ohne männliche Erben starb, entschied sich der polnische Adel gegen eine erneute Verbindung Polens mit Ungarn. Ludwigs Tochter Hedwig (Jadwiga) wurde daher nach Vorverträgen 1386 mit dem zuvor getauften litauischen Großfürsten Jogaila (Jagiełło) verheiratet. Mit der polnisch-litauischen Union entstand endgültig eine ostmitteleuropäische Großmacht, welche die Geschichte des Raums bis ins 18. Jahrhundert prägen sollte.
Vorerst setzte der Orden seine Kreuzzüge, auch mit westeuropäischer Beteiligung, fort, mit dem Argument, die Taufe sei – wie schon zuvor – nur zum Schein und aus politischen Gründen erfolgt. Dies erwies sich jedoch zunehmend als problematisch, da sowohl der römisch-deutsche König Wenzel (reg. 1376–1400) wie auch Papst Bonifaz IX. (amt. 1389–1404) den Orden zum Frieden mahnten. Der Orden setzte daher auf Verhandlungen, unter anderem mit dem Ziel, unter den litauischen Fürsten Bündnispartner zu finden und die Union nicht zu stark werden zu lassen.
Bündnis mit Polen-Litauen nur von kurzer Dauer
1398 schlossen Hochmeister und Orden mit Vytautas, dem Vetter Jagiełłos, den Frieden von Sallinwerder. Neben der Aufteilung der Interessengebiete in Russland ging es dabei um die Unterstützung der Litauer gegen die Mongolen, während Vytautas dem Orden das umstrittene Samaiten übertrug. Bonifaz IX. erklärte den litauisch-polnisch-preußisch-mongolischen Feldzug im Nachhinein zum Kreuzzug, doch kam es im Frühjahr 1399 zu einer schweren Niederlage in der Schlacht an der Worskla. Aus dem Ordenskontingent von 300 Mann unter dem Komtur von Ragnit, Marquard von Salzbach, fanden etliche den Tod, darunter auch neun Ordensbrüder.
Die Übertragung Samaitens hatte Vytautas nicht ohne Kalkül vollzogen. Nach 1398 wie bei der zweiten Übertragung nach dem Frieden von Razianz 1404 half Vytautas dem Orden, der zu den Unternehmen fast überredet werden musste, mit eigenen Kontingenten bei der Eroberung Samaitens, rief die Einwohner des Landes danach aber insgeheim zum Widerstand gegen den Orden auf, um auf diese Weise das zuvor weitgehend unabhängige Gebiet unter seine Kontrolle zu bekommen.
Zusammen mit der Eroberung Gotlands 1398 und der Pfandschaft des Ordens über die Neumark 1402, die der ungarische König Sigismund nahezu erzwingen musste, erreichte das Ordensgebiet unter Hochmeister Konrad von Jungingen (amt. 1393–1407) seine größte Ausdehnung.
Dies war jedoch kein Zeichen von Stärke, da der Erwerb der genannten Territorien keinem Plan folgte, sondern aufgrund der jeweiligen politischen Situation erforderlich schien. Die relative Überlegenheit der polnisch-litauischen Union sollte sich im Laufe des 15. Jahrhunderts zeigen.
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