
Wasserleitungen mussten ausgewechselt und neue Rohre verlegt werden: Die aktuelle Fundgeschichte in der Pfarrer-Merck-Straße im Bonner Stadtteil Friesdorf begann mit Bauarbeiten. Da es sich um einen Bereich handelte, für den es bereits Hinweise auf Bodendenkmäler gab, wurden die Arbeiten von Archäologen der Firma „Fundort“ sowie des Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland (LVR-ABR) begleitet. Wie sich zeigt, hat sich dies gelohnt: Am Grund eines freigelegten Leitungsgrabens tauchte tatsächlich eine spannende Struktur auf. Es handelte sich um eine ebene Fläche, die sich als ein antiker Fußboden herausstellte. Durch eine schmale Öffnung im römischen Estrich war zu erkennen, dass sich ein Hohlraum unter der Oberfläche befindet. Um ihn auszukundschaften, setzten die Archäologen dann Videokameras ein.
Ohne Schutt und Einbrüche
Was sich dabei offenbarte, sorgte für Staunen. Eigentlich sind römische Gebäude mit einer Fußbodenheizung im Rheinland nicht so außergewöhnlich. „Doch üblicherweise ist der Boden eingestürzt oder der Hohlraum anderweitig verfüllt“, sagt Jens Berthold vom LVR-ABR. In diesem Fall zeigten sich allerdings noch völlig intakte Strukturen des Hypokaustums unter dem antiken Fußboden. „Dieser Befund ist damit etwas Besonderes“, betont Berthold. Konkret zeigte sich, dass der Estrichboden noch auf 65 Zentimeter hohen Ziegelsäulen ruht, die in regelmäßigen Reihen auf einem Unterboden aufgestellt sind. Zwischen Estrichboden und Säulen waren zudem Deckziegel eingebaut, die der Wärmespeicherung dienten. Wie die Experten erklären, konnte zwischen den Säulen die Wärme zirkulieren, die mittels einer Feuerstelle an der westlichen Raumseite erzeugt wurde.
Neben dem Raum mit der Fußbodenheizung kamen auch die Fundamente von zwei weiteren Räumen zum Vorschein und die Archäologen konnten den Abschnitt einer antiken Wasserleitung dokumentieren. Außerdem entdeckten sie viele bemalte Wandputzfragmente, die von der einst offenbar aufwendigen Innenausstattung der Räume zeugen. Dass es sich um eine elegante Anlage gehandelt haben muss, ging zudem aus Untersuchungen mittels Georadar hervor. Mit dieser Methode ist es möglich, Strukturen im Boden zu erkennen, ohne dass eine Ausgrabung notwendig ist. Wie das Team berichtet, spiegelte sich in Strukturen auf dem Radarbild wider, dass sich die Fußbodenheizung wohl einst unter einem Raum mit einer Apsis befunden hat. Allerdings bleiben die vollen Dimensionen des Raumes und der Heizungsanlage bisher unklar, da Strukturen an der Oberfläche die Möglichkeiten zur Messung einschränken, sagen die Archäologen.





