Vor rund 10.000 Jahren ereignete sich der große Wandel: Unsere bis dahin als Jäger und Sammler lebenden Vorfahren wurden allmählich sesshaft und begannen Landwirtschaft zu treiben. Diese radikale Neuerung brachte ganz neue Lebensweisen, Technologien und kulturelle Errungenschaften mit sich. Aus archäologischen Funden schließen Archäologen, dass die allerersten Bauern wahrscheinlich im fruchtbaren Halbmond lebten – einem Gebiet, dass sich vom östlichen Mittelmeer bis nach Mesopotamien erstreckte.
Blick ins Erbgut steinzeitlicher Bauern
Wie und woher die neue Kulturtechnik der Landwirtschaft aber nach Europa gelangte, ist bis heute umstritten. “Es gab die Auffassung, dass die Landwirtschaft rein durch Ideentransfer nach Europa kam, ohne oder mit nur geringer Migrationsbewegung”, erklärt Studienleiter Joachim Burger von der Universität Mainz. Genanalysen sprechen jedoch eher für ein anderes Szenario. Nach diesem wanderten frühe Bauern aus dem Mittelmeerraum nach Europa ein und vermischten sich mit der dort ansässigen Bevölkerung. Dadurch setzte sich im Laufe der Zeit auch ihre Lebensweise durch.
Burger und seine Kollegen haben nun mehr Klarheit in diese Frage gebracht. Sie analysierten das Erbgut von fünf steinzeitlichen Skeletten, die im Nordosten Griechenlands und im Nordwesten der Türkei gefunden worden sind. Ihr Alter reicht von knapp 6000 Jahren bis zu 9500 Jahren, sie stammen daher alle aus einer Zeit, als in dieser Region bereits die Landwirtschaft etabliert war. Die Gensequenzen dieser Ägäisbewohner verglichen die Forscher mit dem Erbgut von steinzeitlichen Bauern aus anderen Teilen Europas.
Gründungsväter aus der Ägais
Dabei zeigte sich: Die frühen Bauern aus der Nordägäis teilen auffallend viele Gensequenzen mit Menschen, die während der Jungsteinzeit im Gebiet des heutigen Deutschland und Ungarn, aber auch anderen Teilen Mitteleuropas lebten. Nach Ansicht der Forscher spricht dies dafür, dass die damaligen Bewohner der Nordägäis zu Gründungsvätern der ersten bäuerlichen Kulturen in Europa wurden: Sie wanderten vor rund 8000 Jahren nach Mitteleuropa ein und brachten ihre sesshafte Lebensweise und landwirtschaftliche Praktiken mit.
Diese Einwanderung der ersten Bauern nach Europa folgte dabei wahrscheinlich sogar zwei verschiedenen Routen: Ein Teil zog aus Nordgriechenland und dem Nordwesten der Türkei über den Balkan nach Mitteleuropa. Ein anderer Einwandererstrom nahm die Route über das Mittemeer und brachte die neolithische Revolution nach Spanien. “Unsere Ergebnisse sprechen dafür, dass die ägäische Population der Jungsteinzeit als Wurzel aller frühen europäischen Bauern angesehen werden kann”, berichten die Forscher. “Dabei folgten sie mindestens zwei verschiedenen Routen.”





