Vor rund 2000 Jahren dominierte das Reich von Teotihuacán weite Teile Mittelamerikas. Noch heute lässt das Ausmaß ihrer gigantischen, rund 45 Kilometer nordöstlich von Mexico City liegenden Metropole und ihrer Monumentalbauten staunen. Zu ihrer Blütezeit zwischen 100 vor und 600 nach Christus war diese Stadt von mehr als 125.000 Menschen bewohnt, allein das Stadtzentrum erstreckte sich über mehr als 20 Quadratkilometer. Teotihuacán war damit die größte Metropole der Neuen Welt und eine der größten weltweit.

Das Rätsel der Glyphen von Teotihuacán
Doch so eindrucksvoll Teotihuacán bis heute ist, so rätselhaft ist das Volk, das diese Metropole erbaute. Trotz der vielen Ruinen, tausender Figuren, Alltagsobjekten und prachtvoller Wandgemälde, wissen wir über diese Kultur kaum etwas. „Es gibt viele verschiedene Kulturen in Mexiko. Einige davon lassen sich bestimmten archäologischen Kulturen zuordnen, andere sind weniger klar. Teotihuacán ist einer dieser Orte. Wir wissen nicht, welche Sprache sie gesprochen haben oder mit welchen späteren Kulturen sie verbunden waren“, sagt Magnus Pharao Hansen von der Universität Kopenhagen. Zusammen mit seinem Kollegen Christophe Helmke widmet sich Hansen dem Rätsel der Schrift und Sprache von Teotihuacán.
“Während die Entzifferung anderer mesoamerikanischer Schriftsysteme eine Vielzahl an Informationen über Dynastien und historische Ereignisse geliefert hat, ist es Forschenden bislang nicht gelungen, Erkenntnisse aus den Schriften von Teotihuacán zu gewinnen”, erklären die Forscher. Selbst grundlegende Fragen zu den rätselhaften Glyphen in Wandgemälden und auf Reliefs sind ungeklärt: Sind diese hieroglyphen-ähnlichen Zeichen überhaupt eine echte Schrift?
Urform des Nahuatl als Schlüssel?
Das Problem: Bisher sind nur sehr wenige Glyphen in Teotihuacán gefunden worden – und diese tauchen oft nur einzeln in Wandgemälden oder Reliefs auf. “Es ist eindeutig eine Einschränkung unserer Forschung, dass wir nicht mehr Texte haben. Es wäre großartig, wenn wir dieselben Zeichen in vielen weiteren Kontexten auf die gleiche Weise verwendet finden könnten”, sagt Hansen. Hinzu kommt, dass die Logogramme, aus denen das Schriftsystem besteht, manchmal eine direkte Bedeutung haben – so soll etwa das Bild eines Kojoten einfach „Kojote“ bedeuten. An anderer Stelle im Text müssen die Zeichen wie eine Art Rebus gelesen werden, wobei die Laute der abgebildeten Objekte zusammengesetzt werden, um ein Wort zu bilden.





