Merseburg in Sachsen-Anhalt ist seit Jahrtausenden ein bedeutender Siedlungsplatz. Schon im 9. Jahrhundert wurde der Ort in einem Zehntverzeichnis erwähnt, im 10. Jahrhundert errichtete Heinrich I., Herzog von Sachsen und König des Ostfrankenreiches, in Merseburg seinen Königshof, später baute er diesen zur Pfalz aus. Unter seinem Sohn, Otto I., wurde Merseburg auch Bischofssitz. Architektonische Zeugnisse der ottonischen Ära finden sich in Merseburg noch heute vor allem auf dem Domhügel der Stadt, wie Ausgrabungen an verschiedenen Stellen dieses Areals gezeugt haben.
Ein repräsentativer Saalbau aus dem Mittelalter
Jetzt gibt es weitere Funde aus der sogenannten Martinikurie im äußersten Süden des Domhügels. Dabei handelt es sich um ein imposantes zweistöckiges Wohngebäude aus der Barockzeit, das 1735 fertiggestellt wurde. Im Zuge von Baumaßnahmen haben Archäologen des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt im Sockelgeschoss des Baus archäologische und bauhistorische Untersuchungen durchgeführt. Dabei zeigte sich, dass sich unter dem barocken Bauwerk die Reste eines viel älteren Vorgängerbaues verbergen. Es handelt sich um das fast vollständig erhaltene, kellerartige Untergeschoss eines Saalbaus, dessen 1,75 Meter starke Grundmauern noch in bis zu 3,40 Meter Höhe erhalten sind. Absätze im Mauerwerk und ein bauzeitlicher Pfeiler im Gebäudeinneren belegen, dass sich hierauf einst mindestens noch ein saalartiges Obergeschoss erhob.
Die Archäologen gehen davon aus, dass es sich hierbei um gut erhaltene Reste des ersten Bischofspalasts auf dem Domhügel handelt. Er wurde etwa zur Zeit der zweiten Weihe des Merseburger Doms im Jahr 1042 durch Bischof Hunold errichtet. “Der überraschend im Inneren der Martinikurie angetroffene, repräsentative Saalbau, der sich mit dem ersten Bischofspalast des Bistums Merseburg identifizieren lässt, ist von besonderer Bedeutung”, erläutert Landesarchäologe Harald Meller. “Es handelt sich bei dem in Sachsen-Anhalt einzigartigen Befund um eines der ältesten mit aufgehendem Mauerwerk erhaltenen Profangebäude im Land.” Mit seiner herrschaftlichen, Repräsentationszwecken dienenden Halle und der Größe des Gebäudes von 20 mal 10 Metern drückte dieser Bau das Selbstbewusstsein des 1004 erneut gegründeten Bistums aus.






