Vor rund 3500 Jahren ereignete sich im Mittelmeer eine folgenreiche Katastrophe: Der Vulkan Thera in der Ägäis brach aus und zerriss dabei die Insel Thera – heute bilden ihre Überreste die griechische Insel Santorini. Der Ausbruch schleuderte in einer ersten Phase große Menge an Lava und Asche aus, dann kollabierte die Caldera des Vulkans und löste dadurch glutheiße, schnelle Gas- und Aschenströme und einen Tsunami aus. Forscher schätzen, dass die Flutwellen an der Nordküste von Kreta mindestens neun Meter Höhe erreichten.
Eruption mit weitreichenden Auswirkungen
“Die Eruption des Thera in der späten Bronzezeit war eine der größten Naturkatastrophen in der Geschichte der Menschheit”, erklären Vasif Sahoglu von der Universität Ankara und seine Kollegen. Der Ausbruch und seine Folgen müssen ein einschneidendes Ereignis für die damaligen Hochkulturen rund um das Mittelmeer gewesen sein, denn Spuren zerstörter Gebäude und Häfen sowie Ablagerungen von vulkanischem Material und Asche finden sich in einem Gebiet von Ägypten bis in die Türkei hinein. Der Ausbruch des Thera könnte sogar mitverantwortlich für den Niedergang der ersten Hochkultur Europas gewesen sein – der Minoer.
“Trotz der Stärke dieses Ereignisses wurden aber bisher noch nie Überreste von menschlichen Opfern dieser Katastrophe identifiziert, nicht einmal im besonders stark betroffenen Gebiet um Aktrotiri”, berichten Sahoglu. Einige Archäologen vermuten, dass die Einwohner der meisten Orte rechtzeitig fliehen konnten, andere halten es für wahrscheinlich, dass pyroklastische Ströme die Menschen im nahen Umfeld des Vulkans komplett verbrennen ließen. Welche Folgen die Katastrophe für den in der Bronzezeit küstennahen Ort Çeşme-Bağlararası an der Westküste der Türkei hatte, hat das Forschungsteam nun näher untersucht. Dafür führten sie Ausgrabungen in dem einst blühenden Hafen- und Handelsort durch, bei dem sie bis in die bronzezeitlichen Schichten vordrangen.
Gebeine von Hund und Mann
Die Ausgrabungen enthüllten mehrere Schichten mit deutlichen Indizien für starke Flutwellen. Große, durcheinander geworfene Gesteinsblöcke und Geröll, sowie bis in die einstmals befestigte Siedlung gespülte Überreste von Meerestieren deuten darauf hin, dass dieses Gebiet mindestens viermal hintereinander von Tsunamis überflutet wurde. Von der Wucht der Flutwellen zeugen unter anderem eingestürzte Wände und Gebäudeteile, umhergeworfene Keramikreste und andere Artefakte. Anders als bei einem Erdbeben sind die Trümmer nicht in alle Richtungen verteilt, sondern folgen dem Weg des Wassers. Dabei ist die Grenze zwischen der zerstörten und der noch intakten, von der Flut verschonten Zone deutlich zu erkennen, wie Sahoglu und seine Kollegen berichten.





