In der kleinen Gemeinde Barbarano Romano bei San Giuliano, etwa 70 Kilometer nordwestlich von Rom, befindet sich eine Nekropole, die einst zu einer Stadt der Etrusker gehörte. Diese Kultur existierte von 800 bis 90 vor Christus in Mittelitalien, in den heutigen Provinzen Toskana, Umbrien und Latium. Ab dem späten dritten Jahrhundert vor Christus wurden die Etrusker schrittweise von den Römern erobert und in deren Kultur integriert. Im Zuge dieser Entwicklung wurden die Gräber der etruskischen Nekropole bei San Giuliano über die Jahrhunderte geplündert. So haben Archäologen dort seit 2016 zwar bereits über 600 Kammergräber freigelegt – kleine, in den Fels gehauene Häuser mit Satteldächern. Doch meist waren diese leer.

Intaktes Grab geöffnet
Nun haben Archäologen und Kunsthistoriker um Davide Zori von der Baylor University in Texas in San Giuliano erstmals ein intaktes, noch versiegeltes und ungeplündertes Kammergrab gefunden und vollständig freigelegt. Das Grab wurde in der aktuellen Ausgrabungssrabungssaison des Teams entdeckt, wie sie am 15. Juli 2025 berichteten. Es enthält die Überreste von vier Personen, die auf in Stein gehauenen Betten lagen, sowie mehr als 100 Grabbeigaben, die bemerkenswert gut erhalten waren.
Unter den Gegenständen waren eiserne Waffen, Bronzeornamente und zarte silberne Haarspiralen, aber vor allem Keramikgefäße. Insgesamt wurden im Inneren des Grabes 74 fast vollständig intakte Gefäße gefunden. Auch eine etruskische Trinkschale (Kylix) aus dem charakteristischen schwarzglänzenden Bucchero-Ton fanden die Archäologen. Ersten Analysen zufolge sind die Keramiken 2600 Jahre alt und stammen somit aus dem siebten Jahrhundert vor Christus. Bei den im Grab bestatteten Toten könnte es sich um zwei Paare von je einem Mann und einer Frau handeln. Der Grabinhalt soll nun näher untersucht und dokumentiert werden, um mehr über die Toten und ihr Leben zu erfahren.

Seltener Einblick in die Kultur der Etrusker
„Diese vollständig versiegelte Grabkammer stellt einen seltenen Fund für die etruskische Archäologie dar“, sagt Zori. „In der inneren Hügelregion Mittelitaliens wurde noch nie zuvor ein erhaltenes Kammergrab aus diesem Alter ausgegraben. Es ist eine einzigartige Gelegenheit für uns, den Glauben und die Bestattungstraditionen dieser faszinierenden vorrömischen Kultur zu erforschen.“ Auch Co-Autor Jamie Aprile spricht von „einem Durchbruch von erheblichem wissenschaftlichem Wert“, der „die Diskussion über die etruskische Kulturentwicklung neu gestalten“ wird. Beispielsweise könnten die Gräber Aufschluss darüber geben, wie die Etrusker von Feuer- und Urnenbestattungen auf Körperbestattungen übergingen oder wie stark sie von den Griechen beeinflusst wurden.
Quelle: Baylor University





