Bei gutem Wetter verließ Erzbischof Makarios III. am 9. März 1956 seine Residenz. Die wartende Menge applaudierte; Flaggen wurden geschwenkt, Glocken geläutet. Makarios schickte sich an, Zypern ein weiteres Mal zu verlassen, um in Athen für sein Herzensprojekt zu werben: „Enosis“ (griechisch: „Vereinigung“) – die Dekolonisierung Zyperns und den Anschluss an Griechenland. Doch die geplante Reise sollte nicht in Athen enden, sondern auf der Seychellen-Insel Mahé. Am Flughafen von Nikosia warteten Beamte der britischen Kolonialregierung auf ihn, nahmen ihn in Gewahrsam und rissen ihn aus dem politischen Geschehen Zyperns heraus, zu dessen Protagonist er geworden war.
Vermutlich hoffte die britische Regierung, dass sie mit diesem Manöver eine Einigung in der Zypernfrage zu ihren Gunsten herbeiführen könnte. Es sollte sich allerdings zeigen, dass die griechischen Zyprioten nicht bereit waren, in Abwesenheit ihres Erzbischofs neue Wege einzuschlagen. Der Mann mit dem schwarzen Rauschebart hatte die Geschicke der Insel fest in der Hand.
Geboren wurde Michael Mouskos, wie Makarios III. mit bürgerlichem Namen hieß, am 13. August 1913 im Bergdorf Pano Panagia. Jenseits der Verkehrswege und außerhalb der Reichweite der sich stetig beschleunigenden Modernisierung des frühen 20. Jahrhunderts wuchs er mit Feldarbeit und bäuerlichen Traditionen auf. Bis er 13 Jahre alt war, besuchte er die Dorfschule und trat dann als Novize in das Kloster Kykkos ein. Von nun an wurde er Michael Kykkotis genannt.
Der monastische Alltag gefiel ihm, er lernte fleißig, und der Abt, der seine Talente erkannte, ermöglichte ihm die Weiterbildung am Pancyprianischen Gymnasium in Nikosia. Nach dem Abschluss folgten Theologie- und Jurastudium in Athen, wo er die deutsche Besatzung und ab 1946 den Ausbruch des griechischen Bürgerkriegs miterlebte, und anschließend der Umzug in die USA, wo er Religionssoziologie an der Boston University studierte. Spätestens hier begann er, sich zu politisieren; der griechische Nationalismus war in den griechisch-amerikanischen Gemeinden stark ausgeprägt, und Michael Kykkotis wurde endgültig zu einem überzeugten Verfechter der sogenannten Enosis.
Ungewöhnlich waren starke politische Ansichten unter Mitgliedern des zypriotischen Klerus keineswegs. Erzbischof Leontios hatte sich als engagierter Befürworter der Enosis regelmäßig mit der britischen Kolonialregierung Zyperns angelegt. Gleiches galt für seinen Nachfolger Makarios II., den Michael Kykkotis in Athen kennengelernt hatte. In seiner Rolle als „Ethnarch“ hatte der zypriotische Erzbischof ohnehin große politische Verantwortung – eine Aufgabe, die auch Michael Kykkotis erwartete. Eigentlich wäre dieser gern in Boston geblieben, um dort seine akademische Karriere fortzusetzen; in der fernen Heimat entschied man jedoch, dass er Bischof von Kition werden sollte. Mit gemischten Gefühlen nahm er die Wahl an und kehrte nach Zypern zurück, wo er schnell auch politische Aufgaben übernahm.





