Deutschland blieb nur eine kurze Zwischenstation, doch zeigt sich Byron begeistert von Rothenburg ob der Tauber, dessen mittelalterlichen Charme er in vielen architektonischen Details beschreibt. Überhaupt waren es immer wieder Architektur und Geschichte, die den Tagebuchschreiber interessierten, wie man auch an den reizvollen Bleistiftzeichnungen sehen kann, die dem Band beigegeben sind.
Doch auch Land und Leute werden pointiert charakterisiert, dazu die zum Teil nervenaufreibenden Zoll- und Grenzformalitäten. So beschreibt Byron scharfsichtig den nationalen Überschwang und die Schikanen, die die Reisegruppe an der Grenze zum faschistischen Italien erdulden musste. Die erheiternden und bedenkenswerten Beobachtungen und Eindrücke des neugierigen Reisenden lassen zwar einen dezidiert britischen Blick erkennen, doch fühlte sich Byron zugleich entschieden als Europäer – keine Selbstverständlichkeit damals und schon gar nicht heute.
Rezension: Dr. Heike Talkenberger





