Die Geschichte des Fahrrads beginnt jedoch schon früher mit der Erfindung der Laufmaschine. 1817 sorgt der badische Forstmeiser Karl Friedrich Drais für eine Sensation. Er entwickelt die erste lenkbare Laufmaschine und ist damit um ein Viel-faches schneller als die Postkutsche. Auch wenn der so genannte Knochenschüttler mit seinen unbereiften Rädern und dem harten Sitz nicht sehr komfortabel ist, löst er besonders bei den Adeligen Begeisterung aus.
Der nächste wichtige Schritt auf dem Weg zum Fahrrad ist das mit einer Pedalkurbel ausgestattete Veloziped. Da die Füße bei diesem Rad nicht mehr am Boden sind, gleicht das Fahren nun einem Balanceakt. Zur gleichen Zeit, etwa 1870, wird in England das mit einem sehr großen Vorderrad ausgestattete Hochrad entwickelt. Die Vorteile des Hochrads liegen in einer höhere Fahrgeschwindigkeit und mehr Fahrkomfort, allerdings ist beim Auf- und Absteigen großes Geschick erforderlich. Schnelles Bremsen und Straßenunebenheiten sorgen nicht selten dafür, dass die Hochradfahrer sich überschlagen. Um Unfälle dieser Art zu vermeiden wird das Dreirad entwickelt, aber schon bald (1885) durch das mit direkter Lenkung und etwa zwei gleich großen Rädern ausgestattete Niederrad ersetzt. Lange experimentiert man mit dem Rahmen. Dann entscheidet man sich als Protoyp für den aus Stahlrohr gefertigten Diamantrahmen. Spezielle Rahmen mit einem tiefen Durchstieg erlauben bald erstmals Frauen, das Fahrrad zu nutzen. Als der schottische Tierarzt John Boyd Dunlop 1888 den Luftreifen erfindet, ist der endgültige Durchbruch geschafft. Für eine breite Bevölkerung ermöglicht das Rad nun eine neue Dimension der Mobilität.
Um die Jahrhundertwende ist das Fahrrad weitestgehend ausgereift. Massenproduktionen senken den Preis und machen das Rad in den 30er Jahren für jeden erschwinglich. Obwohl das Ziel des NS-Regimes ist, den Kraftverkehr zu fördern, werden erste Radwege gebaut und das Fahrrad beherrscht das Straßenbild. Erst in den 50erJahren verdrängt das Auto als neues Statussymbol das Rad.
Umwelt- und Gesundheitsbewusstsein sowie ein verändertes politisches Denken der jungen Generation führen dazu, dass das Fahrrad in den 1980er Jahren als Verkehrsmittel wieder neu entdeckt wird. Die Medien berichten mehr und mehr über Fahrradreisen. Dieser neue Boom bewegt die Hersteller zur Kreativität. Innovative Designräder kommen auf den Markt. Aber auch vieles, was schon einmal da gewe-sen ist, wird weiterentwickelt und neu vermarktet, z. B. das Laufrad für Kinder, das seinen Ursprung in der Draisine hat.
Auf circa 600 Quadratmetern Ausstellungsfläche dokumentiert das Sauerland-Museum die Geschichte des Fahrrads von der Laufmaschine bis zum Hightechrad. Dabei werden die spannendsten Exponate, die größenteils aus dem Deutschen Fahrradmuseum in Bad Brückenau stammen, in ihrem gesamtgesellschaftlichen Kontext gezeigt. Ein besonderer Höhepunkt ist ein originalgetreu rekonstruierter Fahrradladen aus den 50er Jahren. Doch die Ausstellung lebt nicht nur von Vergangenem. Die ständig größer werdende Beliebtheit des Fahrrads nimmt seit vielen Jahren großen Einfluss auf den Tourismus. Das zeigt sich auch in Arnsberg. In der historischen Altstadt liegt das Regionalmuseum des Hochsauerlandkreises direkt am RuhrtalRadweg, der auf einer Länge von 230 km vom sauerländischen Winterberg bis Duisburg verläuft. Aktuelle touristische Aspekte werden deshalb auch in der Ausstellung berücksicht.





