Viele Pflanzen können in voller Größe bewundert werden
Die Darstellungen waren besonders groß, orientierten sich am natürlichen Aussehen der Gewächse und füllten die Papierblätter im mächtigen sogenannten Königsfolioformat, so dass sie den Löwenanteil der Flora in Naturgröße wiedergaben, hin und wieder auch Vergrößerungen vornehmen konnten. Für einen Teil der Zeichnungen griffen die nur durch ihre Monogramme bekannten Künstler auf die Gewächse im von Öllinger selbst kultivierten Garten zurück. Der zeitgenössische Schweizer Naturforscher Conrad Gessner (1516–1565) nannte ihn den berühmtesten Garten Nürnbergs und zählte ihn zu den vortrefflichsten im gesamten deutschsprachigen Raum.
Es war die Zeit der sich entwickelnden Pflanzenkunde. Die sogenannten Väter der Botanik, die Deutschen Otto Brunfels (1488–1534), Leonhart Fuchs (1501–1566) und Hieronymus Bock (1498 –1554), hatten kurz zuvor ihre illustrierten Standardwerke im Buchdruck veröffentlicht. Der Italiener Pier Andrea Mattioli (1501–1577) stand unmittelbar vor der Vollendung seiner bebilderten und kommentierten Übersetzung von Dioskurides’ „Materia medica“. Und der bereits erwähnte Gessner bemühte sich, ein noch weitaus umfangreicheres bebildertes Pflanzenbuch zu publizieren. Sie alle waren Ärzte – war doch die Pflanzenkunde damals noch ein Teilbereich der Medizin.
1553 ließ Öllinger vom hochgelehrten Humanisten Samuel Quicchelberg (1529 –1567), der heute für die erste schriftliche Beschreibung eines Museums berühmt ist, ein lateinisches Titelblatt für sein Buch mit Pflanzenzeichnungen ausführen, das die „bewundernswerte Anschaulichkeit der Illustrationen und ihre großen Kosten“ unterstrich. Zu diesem Zeitpunkt war Öllinger bereits eine der angesehensten Persönlichkeiten Nürnbergs.
Geboren wurde er 1486/87, doch zum Geburtsort schweigen die Quellen. 1512 erhielt er vermutlich im Zuge seiner Heirat mit der Witwe Anna Hidler das Bürgerrecht der freien Reichsstadt. Mit der Eheschließung kam er in den Besitz der Apotheke „ad mactellam“ („Bei den Fleischbänken“), die der Witwe gehört hatte. Die Offizin war hoch geschätzt und gilt heute als die älteste nachweisbare Apotheke Nürnbergs. Sie lag zentral am Nordufer der Pegnitz, an der südlichen Begrenzung des belebten Hauptmarktes, an dessen große Bedeutung innerhalb der Stadt heute die Frauenkirche mit Kunstuhr und Figurenspiel sowie der Schöne Brunnen eindrucksvoll erinnern.
Es war der Grundstein eines Apotheken-Imperiums, das Öllingers Nachkommen bis zur zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts ausbauen sollten. Von dessen Ruhm zeugt das kunstvolle Bronzeepitaph von Paulus Öllinger, Georgs ältestem Sohn, das genauso wie jenes seines Vaters auf dem Nürnberger Sankt-Johannis-Friedhof (Nr. 94, 1158) immer noch bestaunt werden kann.





