Während des Siebenjährigen Krieges von 1756 bis 1763 kämpften die Großmächte des damaligen Europas um die Vorherrschaft auf dem Kontinent und in den Kolonien. Es ging um die politische Macht, um Handelsvorteile und die Herrschaft über die wichtigen Seerouten nach Übersee. Dabei standen Preußen und Großbritannien auf der einen Seite einer Allianz von Frankreich, Spanien und der österreichischen Habsburgermonarchie gegenüber. Neben Landgefechten in Europa, der Neuen Welt und Südasien trugen die Kriegsparteien ihre Kämpfe auch zur See aus.

Post für Frankreichs Seeleute
Im Ärmelkanal und entlang der Atlantikküste lieferten sich dabei vor allem Frankreich und Großbritannien Seegefechte. Die französische Flotte verfügte zur damaligen Zeit über einige der besten Kriegsschiffe Europas, es fehlte ihr aber an erfahrenen Seeleuten. Dies nutzte Großbritannien aus, indem es gezielt so viele französische Schiffe kaperte und die Schiffsbesatzungen gefangen nahm wie es konnte. Allein im Jahr 1758 saßen dadurch rund ein Drittel der französischen Seeleute in britischer Gefangenschaft, während der sieben Jahre des Krieges belief sich die Gesamtzahl der Gefangenen auf gut 64.000 Matrosen und Offiziere.
Für die Angehörigen dieser Kriegsgefangenen bedeutet dies meist Ungewissheit und Kontaktverlust: Schon zu normalen Zeiten war es schwierig, Seeleute per Brief zu erreichen. Meist wurden Briefe auf Verdacht an verschiedene Häfen geschickt oder man gab sie Schiffskameraden des auf See dienenden Sohnes, Bruders oder Ehemannes mit. Wurden Schiffe gekapert und Seeleute gefangengenommen, wurden diese Briefe oft zusammen mit anderen persönlichen Habseligkeiten beschlagnahmt. Im Fall von gekaperten Schiffen wurden die Briefe von den französischen Häfen häufig nach England weitergeleitet, in der Hoffnung, dass sie so die Gefangenen erreichen würden.
Seit 256 Jahren ungeöffnet
Dies war auch bei 102 Briefen der Fall, die von Angehörigen an die Seeleute an Bord des französischen Schiffs Galatée geschickt worden waren. Nachdem das Schiff im Jahr 1758 auf dem Weg von Bordeaux ins kanadische Quebec von der britischen Marine abgefangen und nach England gebracht worden war, wurden die Briefe nach England weitergeleitet. Doch die Beamten der britischen Admiralität beschlagnahmten die Briefe und lagerten sie ungeöffnet ein. Erst jetzt – 256 Jahre später – hat Renaud Morieux von der University of Cambridge diese historischen Briefe wiederentdeckt und erstmals aufgemacht und gelesen.





