Durch Kleinkriege in Pommern versuchte Schill nach der Doppelschlacht von Jena und Auerstedt die französische Besatzungsmacht zu zermürben. Führende Staats- und Militärreformer wie Stein und Scharnhorst sowie patriotische Bürger knüpften ein enges Netzwerk der Konspiration. Durch einen allgemeinen Volksaufstand sollte die Franzosen vertrieben werden. Schills Aufgabe bestand darin, die westfälische Volkserhebung in Gang zu setzen. Der Kult um seine charismatische Persönlichkeit wurde bewusst gefördert, um seinen Wert als „Volksführer“ vorzubereiten.
Allerdings blieb Schills Gefolgschaft trotz der Propaganda von oben sehr gering. In der Entscheidungsschlacht in Stralsund standen 1.000 Bauern aus der Umgebung 5.000 niederländische und dänische Soldaten gegenüber. Schill fiel in erbitterten Straßenkämpfen. Sein Leichnam wurde enthauptet und sein Kopf als Trophäe an den westfälischen König Jérôme gesandt. Elf gefangene Offiziere und 14 Soldaten wurden vor den Toren Wesels hingerichtet. Ihr aussichtsloser Befreiungskampf sowie ihre Todesumstände machten die Offiziere bei ihren Landsleuten zu Helden und Märtyrern. Dieser Ruf dauerte ungeachtet aller Brüche im 19. und 20. Jahrhundert an: Schill und seine Gefolgsleute wurden vom liberalen Bürgertum im Vormärz verehrt, im Dritten Reich sowohl von Vertretern der offiziellen Politik, wie auch von Widerstandskämpfern verherrlicht. Auch in der DDR zählte Schill zu den staatlich propagierten Vorbildern und war als Thema im Schulunterricht zwingend vorgeschrieben.
Die Ausstellung untersucht die politische Romantik und das Entstehen eines neuen Konzepts der deutschen Nation im Rahmen der antinapoleonischen Freiheitsbewegung Europas. Dabei wird erstmals gezeigt, wie stark Schill von offiziellen preußischen Stellen gesteuert und instruiert wurde. Bedeutende Leihgaben aus Berlin, Potsdam, Delft, Düsseldorf und Kassel beleuchten dabei den Glanz und Fall des napoleonischen Kaiserreichs, das Kommen eines neuen Preußen und die Entstehung neuer Bilder von der deutschen Nation.





