Die oberösterreichische Stadt Wels blickt auf bedeutende antike Wurzeln zurück: Sie ist aus der römischen Stadt Ovilava hervorgegangen, die ab dem 2. Jh. n. Chr. ein bedeutendes Zentrum in der Region nördlich der Alpen bildete. Wie die Stadt Wels auf ihrer Homepage berichtet, geht die Entdeckungsgeschichte des spannenden Relikts aus dieser Ära bereits auf das Jahr 1918 zurück. Damals legten Archäologen ein Stück einer antiken Ost-West-Straße sowie südlich anschließende Gebäudereste frei. Dabei entdeckten sie neben weiteren Funden aus dem 2. Jh. n. Chr. auch den Griff aus Elfenbein, an dem einst eine nicht erhaltene Messerklinge saß.
Inschrift belegt fernen Ursprung
Der Messergriff ist auf der Endfläche mit dem Profil eines Männerkopfes verziert. Für Rätselraten sorgten hingegen die Schriftzeichen, die das Artefakt überziehen. Die Archäologen konnten sie damals nicht zuordnen. Man vermutete, sie könnten orientalisch-ägyptisch sein. Andere Experten tippten hingegen auf einen mittelpersischen Ursprung des Objekts im Zusammenhang mit dem Mithraskult. Anschließend lagerte der mysteriöse Fund über hundert Jahre lang im Archiv des Stadtmuseums von Wels. Doch dann erregte er das Interesse des Althistorikers Stefan Pfahl von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Um das linguistische Rätsel zu klären, wandte er sich schließlich an einen renommierten Experten für antike Sprachen – Harry Falk von der Freien Universität Berlin.
Tatsächlich erkannte der Spezialist die Ritzinschrift

als Khar – eine Variante der altindischen Schrift Kharosthi. Falk konnte auch entziffern, was die Inschrift bedeutet: Sie weist das Messer als ein Ehrengeschenk für einen Mann namens Tadara aus. Es liegt damit nahe, dass das im Griff eingeritzte Gesicht den Geehrten darstellt.
Wie die Experten erklären, verweisen die identifizierte Schrift und Sprache nun auf einen erstaunlich fernen Ursprung des Messergriffs. Denn Khar wurde in dem bekannten antiken Ort Niya verwendet, dessen Überreste in der Volksrepublik China liegen – im Regierungsbezirk Hotan in der autonomen Region Xinjang. Niya war bis zu seinem spätantiken Niedergang ein bedeutendes Handelszentrum am südlichen Zweig der Seidenstraße im Bereich der Taklamakan-Wüste.





