In Höhlen der bergigen Region im Südosten Baden-Württembergs haben Archäologen der Universität Tübingen bereits zahlreiche spektakuläre Entdeckungen gemacht. Neben eiszeitlichen Kunstwerken wie dem berühmten geschnitzten Mammut, gehören dazu auch Überreste von Musikinstrumenten. Bei den bisherigen Funden handelt es sich unter anderem um eine etwa 40.000 Jahre und eine rund 37.000 Jahre alte Flöte aus Mammutelfenbein. Sie gelten als die ältesten Nachweise von Musikinstrumente in ganz Europa. Nun reiht sich ein weiterer „musikalischer” Fund ein.
Das neu entdeckte Flöten-Fragment stammt aus Sedimenten der Vogelherdhöhle bei Niederstotzingen im Lonetal. Es ist 42 Millimeter lang und misst im Durchmesser 9 Millimeter. Wie Nicholas Conard von der Universität Tübingen und seine Kollegen berichten, ist an zwei Grifflöchern sowie an charakteristischen Überarbeitungen der Oberfläche zu erkennen, dass es sich um das Bruchstück einer Flöte handelt. Untersuchungen des Materials zeigten, dass das Instrument aus einem Vogelknochen gefertigt worden war, vermutlich eines Gänsegeiers.
So klang die Eiszeitflöte
Dass es sich bei dem neunen und auch den bisher schon entdeckten Artefakten tatsächlich um Flöten gehandelt hat, mit denen man musizieren konnte, haben die Forscher durch Nachbauten und Tests dokumentiert. Wie es wohl klang, wenn einer der Höhlenbewohner der Schwäbischen Alb vor 40.000 Jahren Flöte spielte, verdeutlicht ein Musikstück, das mit einer der nachbgebauten Eiszeitflöten gespielt wurde:
“Seebergers Lied” von Anna Friederike Potengowski aus dem neuen Album “Edge of Time” (Delphian Records)
Neben anderen eiszeitlichen Fundstücken aus den Höhlen der Schwäbischen Alb wird das Flöten-Fragment nun vom 20. Mai bis 3. Dezember 2017 im Rahmen der Jubiläumsausstellung „Ursprünge” im Museum der Universität Tübingen (MUT) zu sehen sein. „Kulturelle Ursprünge sind ebenso wissenschaftlich faszinierend wie historisch fragil. Gerade deshalb soll unsere Jubiläumsausstellung die Anfänge wichtiger kultureller Entwicklungen in Form von historischen und gegenwärtigen Artefakten buchstäblich greifbar werden lassen”, sagt MUT-Direktor Ernst Seidl.





