Von großer Auffassungsgabe und Willensstärke zeugt die Erzählung Frenkels. Schritt für Schritt beschreibt sie zunächst ihre Reise von Berlin nach Paris. Ihre Flucht führt sie weiter in den Süden Frankreichs, bis die Besetzung durch Nazi-Deutschland auf die Region übergreift und sie mit ihren jüdischen Wurzeln nun auch dort in Gefahr gerät.
Ihre Zeilen sind geprägt von Gefühlen der Angst, Ohnmacht und Ungläubigkeit, aber auch von der Kraft, die Françoise Frenkel aus den zahlreichen Gesten des Mitgefühls und der Hilfe durch ihre Mitmenschen schöpft. So findet sie vor allem in dem französischen Ehepaar Marius in Nizza Unterstützung. Über Monate hinweg organisieren ihre neuen Freunde Verstecke für Frenkel und versuchen, ihr die Ausreise in die Schweiz zu ermöglichen.
Ausführlich und fesselnd berichtet die Autorin von ihrem eingeschränkten Alltagsleben, von ruhigen und wiederum aufwühlenden Zeiten, von wertvollen Aufenthaltsgenehmigungen und verlorenen Gepäckstücken, bis hin zu ihrem lebensgefährlichen Fußmarsch in die Schweiz.
In literarischer Schreibweise und mit bemerkenswerter Menschenkenntnis erzählt Frenkel von der Begegnung mit verschiedensten Personen auf dem Weg zu ihrem Zufluchtsort Genf, den sie schließlich 1943 erreicht. Hier schreibt sie das Buch, „Nichts, um mein Haupt zu betten“, welches trotz seiner erschütternden Geschichte ein warmes Gefühl hinterlässt.
Rezension: Tonia Seibel
Françoise Frenkel
Nichts, um sein Haupt zu betten
Carl Hanser Verlag, München 2016, 288 Seiten, € 22,–





