Im Mai 1940 floh Nelly Sachs mit einem der letzten Flugzeuge aus Berlin nach Stockholm. Hinter ihr lag mehr als die Hälfte eines Lebens, das nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Bedrohung geraten war. Vor ihr lagen 30 Jahre Exil, in denen ein lyrisches Werk entstand, das 1966 mit dem Nobelpreis für Literatur geehrt wurde.
„Flucht und Verwandlung“ zeigt, wie sich das Werk der Nelly Sachs entfalten konnte: im Gedenken an eine bekannte, aber verloren gegangene Welt, im Kontakt mit einer neuen, aber fremden Kultur – kurz, in Krise und Umbruch. Mit Hilfe vieler Dokumente können zum ersten Mal die Koordinaten ihres „unsichtbaren Universums“ bestimmt werden. Sowohl das reichhaltige Material als auch Einblicke in wichtige Freundschaften mit Paul Celan und Hans Magnus Enzensberger, Margaretha Holmquist und Rosi Wosk zeichnen das Porträt einer der wichtigsten Dichterinnen des 20. Jahrhunderts.
Die von Aris Fioretos und gewerk design in Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Museum Berlin, dem Jüdischen Theater Stockholm, der Königlichen Bibliothek Stockholm, der Schwedischen Botschaft und dem Suhrkamp Verlag entstandene Ausstellung startete im März 2010 im Jüdischen Museum Berlin. Nach weiteren Stationen in Stockholm, Zürich und Frankfurt kam die Ausstellung zu dem Zeitpunkt nach Dortmund, als im Dezember 2011 die Stadt Dortmund zum 25. Mal den 1961 gestifteten, nach der Dichterin benannten Literaturpreis vergab.
Zur Ausstellung erscheint eine von Aris Fioretos kommentierte Werkausgabe in vier Bänden (Gedichte 1940–50, Gedichte 1951–70, Szenische Dichtungen, Prosa und Übertragungen) sowie eine Bildbiographie unter dem Titel „Flucht und Verwandlung“ (320 S., 450 Abb.), allesamt im Suhrkamp Verlag. Eine Hör-CD mit einem 20-seitigen Booklet liefert ein akustisches Porträt von Nelly Sachs, mit Originaltönen der Schriftstellerin sowie ihrer Freunde und Weggefährten.





