Grabungen im alten Heliopolis
Der Kairoer Stadtteil al-Matariya liegt auf geschichtsträchtigem Boden: Dort, wo heute 70.000 Menschen leben, lag einst Heliopolis – ein dem ägyptischen Sonnengott geweihter Tempelbezirk. Nach dem Glauben der alten Ägypter sollte an diesem Ort einst die Welt erschaffen worden sein. Grund genug für den Pharao Ramses II., der Ägypten ab 1279 vor Christus regierte, hier einen großen Tempelkomplex zu errichten.
Seit 2012 arbeitet ein deutsch-ägyptisches Forscherteam unter Zeitdruck daran, die Relikte des alten Heliopolis aus dem Untergrund zu bergen, bevor sie durch den Bau neuer Häuser in diesem Kairoer Viertel zerstört oder überdeckt werden. Unter den bisherigen Funden des Teams um Dietrich Raue von der Universität Leipzig sind Reste der 17 Meter breiten Tempelmauern, mehrere Reliefs einer Nilgott-Prozession, eine 3.200 Jahre alte Statue des Pharos Merenptah sowie Teile einer lebensgroßen Statue des Pharaos Sethos II aus Kalkstein.
Die Entdeckung der Ramses-Statue
Dann, vor wenigen Tagen, machten die Archäologen einen weiteren bedeutenden Fund: Im nassen Schlamm, zwei Meter unter dem Grundwasserspiegel stießen sie auf Fragmente einer weiteren, großen Pharaonen-Statue aus Quarzit – vermutlich handelt es sich um ein Standbild des Königs Ramses II. Unter den Bruchstücken war der mehr als ein Meter großer Kopf, die Pharaonenkrone und der vier Meter hohe Oberkörper der Figur, sowie der Sockel des Standbilds. Die Forscher schätzen die Gesamthöhe der Statue auf ursprünglich neun Meter.
Weil die tonnenschweren Fragmente der Statue in einer schlammgefüllten Baugrube lagen, in die immer wieder Wasser nachströmte, erwies sich die Bergung als schwierig. Immer wieder musste Wasser abgepumpt werden, zudem reichen Wohnhäuser bis einen Meter an die Grabungsfläche heran. Ein Bagger kam nur schwer an die Fundstücke heran, ohne selbst in Gefahr zu geraten. “Von unten bedrohte uns das Wasser, von oben die moderne Bebauung”, sagt Raue.
Bergung geglückt
Trotz dieser Schwierigkeiten ist nun die Bergung der wertvollen Fundstücke gelungen: “Die Fragmente des Kolosses sind raus”, berichtet Raue. Nach dem schon vor einigen Tagen geborgenen Kopf sind nun auch die tonnenschwere Pharaonenkrone, die Statuenbasis und der Torso des rund 3.000 Jahre alten Kolosses von Heliopolis geborgen. Damit ist der obere Teil des Standbilds komplett, die Beine fehlen allerdings bisher.
Raue schließt nicht aus, dass es bei weiteren Grabungen in diesem Gebiet noch gefunden wird. Allerdings sei es auch möglich, dass es in der Spätantike zerschlagen und für Bauprojekte in Kairo verwendet wurde, wie es damals häufig der Fall war. “Möglicherweise hat Ramses II. eine Statue seiner Vorgänger wiederverwendet”, erklärt Raue.





