Tragisches Ende einer Expedition
Als der britische Polarforscher und Offizier John Franklin im Jahr 1845 mit zwei Schiffen in die Arktis aufbrach, hatte er ein ehrgeiziges Ziel: Er wollte als erster die Nordwestpassage durchsegeln. Doch die Expedition endete in einer Tragödie: Die Schiffe steckten im Eis fest und alle 129 Besatzungsmitglieder kamen um, als sie über das Eis zurück in die Zivilisation gelangen wollten. Warum genau die Männer ihre Schiffe verließen und wie genau sie starben, ist bis heute nicht vollständig aufgeklärt.
Hinweise zum damaligen Geschehen können nur noch die Überreste liefern – sowohl der Schiffe als auch ihrer Besatzung. Suchexpeditionen haben in den letzten Jahren beide Schiffe der Franklin-Expedition auf dem Meeresgrund der kanadischen Arktis aufgespürt. Auch die Überreste von Besatzungsmitgliedern sind noch erhalten. Einige wurden kurz nach Verlassen der Schiffe am Strand von Beechey Island begraben und sind daher in verhältnismäßig gutem Zustand. Von den später auf dem Treck ins Inland Gestorbenen dagegen sind oft nur noch einzelne Knochen erhalten.
Erste DNA-Analyse der Toten
Jetzt ist es Douglas Stenton von der Kulturbehörde des kanadischen Nunavut und seine Kollegen erstmals gelungen, das Erbgut einiger Mitglieder der Franklin-Expedition zu gewinnen und zu analysieren. Für ihre Studie entnahmen die Forscher Proben aus 39 Knochen und Zähnen, die an acht verschiedenen Stellen von King William Island gefunden wurden und mutmaßlich von Besatzungsmitgliedern stammen.
Bei 37 Proben gelangen die DNA-Analysen. Sie ergaben unter anderem, dass einige Knochen von der gleichen Person stammen, obwohl sie knapp zwei Kilometer voneinander entfernt gefunden wurden, wie die Forscher berichten. Sie vermuten, dass diese Knochen entweder nach dem Tod der Männer von Tieren verschleppt wurden oder aber bei einer Suchexpedition im Jahr 1879 entdeckt und dann falsch zugeordnet worden waren.
24 Besatzungsmitglieder – und eine Inuit-Frau
Die Analysen geben auch Aufschluss darüber, von wie vielen Toten die bisher bekannten Überreste stammen: Durch DNA-Vergleiche konnte die Forscher sie 24 verschiedenen Besatzungsmitgliedern zuordnen. Eine der Knochenproben allerdings erwies sich als Fehlzuordnung: Diese in der Wilmot and Crampton Bay der King Williams-Insel gefundenen Knochen stammten nicht von einem Mitglied der Franklin-Expedition sondern von einer später dort gestorbenen Inuit-Frau, wie die Forscher berichten.
Die genaue Identität der andere Toten ist noch unbekannt. Die Wissenschaftler hoffen, dies durch Vergleiche von Nachkommen der damaligen Besatzungsmitglieder herauszufinden. “Wir sind bereits mit einigen Nachfahren in Kontakt, die Interesse daran haben, an einer weiteren Untersuchung teilzunehmen”, berichtet Stenton. “Unsere Ergebnisse liefern uns ein wichtiges Fundament für zukünftige Forschung, darunter auch die Identifizierung der Toten.”





