Am Anfang waren sie von den Wettkämpfen noch komplett ausgeschlossen: Als 1896 die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit in Athen stattfanden, erfüllten Frauen allenfalls Statisten-Rollen für die Herren der Ringe: „Sie waren nur die Petersilie auf der olympischen Platte. Frauen sollten bei den Spielen nicht wetteifern, sondern allenfalls im Publikum applaudieren und die Sieger bekränzen”, sagt Petra Tzschoppe, die auch Vizepräsidentin des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) ist und sich dem Thema Frauen und Gleichstellung intensiv widmet.
Ein großer Gegner: Baron Pierre de Coubertin
Die Sportwissenschaftlerin erinnert daran, wie erst ganz allmählich und über einen langen Zeitraum hinweg die Olympischen Spiele auch für Athletinnen geöffnet wurden. Bremsend wirkte offenbar besonders der Begründer der Spiele, Baron Pierre de Coubertin: Er war ein großer Gegner der Zulassung von Frauen zu den Wettkämpfen. Von dieser Meinung kam er offenbar auch niemals ab: Als Frauen schon längst dabei waren, hat er in den 1930er Jahren noch immer betont, dass sich bei den olympischen Spielen männliche Leistung beweisen soll.
Doch sogar bereits bei den Spielen im Jahre 1900 musste er vermutlich zähneknirschend die ersten Athletinnen ertragen. Es war die Zeit mutiger Frauen, der Suffragetten und Frauenrechtlerinnen, aber auch liberal gesinnter Männer, die verstaubte Traditionen aufbrechen wollten. „Erstmals nahmen Frauen 1900 bei den Olympischen Spielen in Paris in den Sportarten Golf und Tennis teil – sehr zum Leidwesen von Coubertin”, berichtet Tzschoppe. Wenig später kamen Eiskunstlauf und Schwimmen dazu, Turnen und Leichtathletik allerdings erst 1928. Dem war ein harter Kampf der Sportlerinnen mit dem rein männlich besetzten olympischen Komitee voraus gegangen. „Die Frauen drohten damals, eigene Weltspiele zu veranstalten”, so Tzschoppe.
In Führungspositionen gab es besonders lang nur Männer
An der exklusiv männlichen Besetzung der Gremien hat sich ihr zufolge besonders lange nichts geändert: Erst 1981 wurden die ersten beiden Frauen ins Internationale Olympische Komitee aufgenommen. „Die Führungspositionen waren jahrzehntelang ausschließlich mit Männern besetzt. Im Sport und bei der Ausübung von Macht sind traditionelle Rollenklischees besonders ausgeprägt”, sagt Tzschoppe.
Bei diesem Thema handelt es sich offenbar nach wie vor um eine Baustelle: Inzwischen sollen Frauen gezielt für Führungspositionen gewonnen werden. Petra Tzschoppe wird nun natürlich auch in Rio de Janeiro dabei sein und neben ihrer Funktion als DOSB-Vizepräsidentin forschend tätig sein: Sie erfasst die Situation von Trainerinnen im Spitzensport. Diese sind fast ebenso selten wie Frauen in den olympischen Spitzengremien.





