Zwei Ansätze hat die Autorin dabei in den Vordergrund gestellt. Erstens zeigt sie Muster von Frauenbildern auf, wie sie in den antiken Texten präsentiert werden, und plaziert diese in den jeweiligen gesellschaftlichen Kontext. Zweitens dokumentiert sie in chronologischer Reihenfolge anhand von signifikanten Einzelfällen Beispiele für die Rolle, die Frauen zu unterschiedlichen Zeiten in der Politik, in der Gesellschaft, in der Religion und im kulturellen Leben spielten.
Porträtiert werden auf diese Weise in eigenen Kapiteln so unterschiedliche Gestalten wie die Lyrikerin Sappho, die hellenistische Dynastin Arsinoë II., die als historische Persönlichkeit freilich kaum greifbare Römerin Lucretia, von den Römern zum Inbegriff femininer Sittsamkeit stilisiert, ferner, als Beispiel aus der Zeit der späten Republik, die von den Quellen, vor allem von Cicero, negativ stigmatisierte Clodia Metelli. Abgerundet werden die Einzelstudien, die immer auch auf ihre grundsätzliche Bedeutung hin analysiert werden, durch Messalina, die Ehefrau des Kaisers Claudius, und Theodora, die Gattin des oströmischen Kaisers Justinian. Alle Kapitel werden durch prägnante Quellenzitate eingeleitet, die im Folgenden den Leitfaden der Darstellung bilden.
Bemängeln kann man an diesem äußerst lesenswerten Buch allenfalls eine nicht immer sichere Diktion, die sich etwa in der mitunter inflationären Verwendung von Anführungszeichen zeigt. Offenbar war sich die Autorin nicht darüber klar, was sie dem breiteren Publikum an Fachtermini zumuten wollte.
Rezension: Sonnabend, Holger





