Anfang Mai 1682 ging James Stuart, der spätere König James II., mitsamt Teilen seines Hofstaats im englischen Hafen Portsmouth an Bord der Fregatte Gloucester. Ziel war es, nach Edinburgh zu segeln, um seine hochschwangere Frau nach London zu holen. Doch vor der Küste der ostenglischen Grafschaft Norfolk lief das Schiff auf eine Sandbank auf, nachdem James, der früher Erster Admiral der englischen Flotte gewesen war, zuvor mit dem Kapitän über den Kurs gestritten hatte. Innerhalb von nur einer Stunde versank die Gloucester im Meer, gut 120 Seeleute und Passagiere starben. James Stuart blieb bis zuletzt an Bord und entkam dem Tod nur knapp.
Historisch folgenreiches Schiffsunglück
Es war eine Katastrophe, die beinahe die Geschichte Englands geändert hätte. Denn wäre James Stuart gestorben, hätte dies die ohnehin umstrittene Thronfolge dieses katholischen Königs in einer Zeit starker religiöser und politischer Konflikte verhindert – mit potenziell weitreichenden Folgen. Auch so lieferten die Umstände und Ursachen dieses Schiffsunglücks reichlich Stoff für Interpretation und Verschwörungstheorien. “Politische Zweckmäßigkeiten und parteiliche Interessen prägten noch in den Wochen, Monaten und Jahren danach, wem die Schuld für das Unglück zugeschrieben wurde”, erklärt die Marinehistorikerin Claire Jowitt von der University of East Anglia. “Der Untergang der HMS Gloucester wurde zum Schlüsselereignis für das politische Schicksal und den Ruf des Herzogs.”
Bis heute ist offen, ob James Stuart, Herzog von York, womöglich Schuld am Untergang des Schiffes hatte. Zwar gab es reichlich Augenzeugen, weil die HMS Gloucester mit einer ganzen Flotte von Begleitschiffen unterwegs war. Die Berichte über den Streit zwischen dem Herzog und dem Schiffskapitän aber gehen ebenso auseinander wie die Bewertung der damals getroffenen Navigationsentscheidungen. Trotz der enormen Bedeutung des Schiffsuntergangs und damit auch des Wracks blieb jedoch unklar, wo genau die königliche Fregatte gesunken war. Frühere Tauchgänge suchten vergeblich nach dem Wrack. Auch die beiden Taucher und Hobbyhistoriker Lincoln und Julian Barnwell wurden zunächst nicht fündig: “Es war schon unsere vierte Tauchsaison, in der wir nach der Gloucester gesucht haben”, sagt Lincoln Barnwell. “Wir haben schon geglaubt, dass wir sie nie mehr finden.”
(Video: University of East Anglia)





