“Es gibt aus dieser Zeit nur sehr wenige archäologische Stätten, deshalb ist unklar, was geschah, als sich die Ägypter zurückzogen”, sagt Michele Buzon von der Purdue University in West Lafayette, USA. Um Einblicke in diese Frage zu gewinnen hat die Anthropologin im heutigen Nordsudan nubische Grabstätten aus der fraglichen Zeit untersucht, die zu der Antiken Siedlung Tombos am Nil gehörten.
Um das Jahr Ägypter 1500 v. Chr. hatten die Ägypter des “Neuen Reichs” dieses Gebiet kolonisiert, um die Handelsrouten auf dem Nil zu sichern. “Man nahm bisher an, dass den ansässigen Nubiern die ägyptische Kultur dort aufgezwungen wurde”, sagt Buzon. Doch sie und ihre Kollegen fanden eher Hinweise auf eine kulturelle Verknüpfung, die nubische und ägyptische Aspekte vereinigte. “Wir glauben, dass sie interagierten, untereinander heirateten und und schließlich eine ägyptisch-nubische Gemeinschaft bildeten”, sagt Buzon.
Als die Herrschaft der Ägypter endete…
Doch etwa 1050 v. Chr. kam es zu einer wichtigen Veränderung: Das Neue Reich kollabierte – die Herrschaft der Ägypter endete und Nubien wurde wieder unabhängig. “Es gab Vermutungen, dies wäre Nubien schlecht bekommen”, sagt Buzon. “Doch unsere Befunde bestätigen das nicht. “Wir konnten zeigen, dass Tombos auch weiterhin eine blühende Gemeinschaft blieb. Es gab eine Kontinuität der ägyptisch-nubischen Gemeinschaft, die auch erfolgreich war, als Ägypten keine politische Rolle mehr spielte”, sagt die Anthropologin.
Ihr zufolge spiegelt sich dies in den sogenannten Tumulus-Gräbern wider, die sie untersucht hat. Es handelt sich um runde Hügelgräber mit Steinstrukturen. “Sie besitzen einen klar nubischen Überbau, aber in den Gräbern findet man Merkmale ägyptischer Kultur und zwar in der Art und Weise wie die Körper positioniert sind”, erklärt Buzon. “Ägypter wurden in ausgestreckter Weise auf dem Rücken liegend bestattet. Nubier hingegen traditionell seitlich mit ihren Armen und Beinen angewinkelt.” Ein weiteres Beispiel einer Mischung: “Einige Körper wurden auf ein hölzernes Bett gelegt – eine nubische Tradition – sie befanden sich aber in einer ägyptischen Körperhaltung und in einem ägyptischen Sarg”, berichtet Buzon.
Die Anthropologin kommt zu dem Fazit: “Diese Gesellschaft hatte sich im Laufe von ein paar Jahrhunderten entwickelt – ausgehend von ägyptischen Einwanderern und ansässigen Nubiern. Sie lebten nicht getrennt sondern bildeten eine Gemeinschaft”, ist Buzon überzeugt.





