In der Antike gipfelte der mediterrane Schiffsbau in der Konstruktion der großen Handelsschiffe und mächtigen Kriegsgaleeren der Griechen, Phönizier und Römer. Diese Entwicklungen basierten auf einer damals schon alten nautischen Tradition, die über die Bronzezeit hinaus weit in prähistorische Zeit reicht. Dass Menschen bereits früh in der Lage waren, Strecken über das Mittelmeer zurückzulegen, geht aus archäologischen Belegen der Besiedelung von entlegenen Bereichen und Inseln hervor. Auch bei der Ausbreitung der bäuerlichen Lebensweise in der Jungsteinzeit in der Zeit vor rund 8000 Jahren spielte die Seefahrt wahrscheinlich eine wichtige Rolle. Denn recht zügig besiedelten die aus dem Nahen Osten stammenden Kulturträger den Mittelmeerraum und etablierten dort weiträumige Netzwerke.
Direkte Hinweise auf die nautischen Techniken der Jungsteinzeit im mediterranen Raum gibt es allerdings nur wenige. Im Fokus der aktuellen Studie der Forschenden um Juan Gibaja von der Milà i Fontanals Institution in Barcelona standen nun Funde, die aus einer bereits bekannten jungsteinzeitlichen Stätte stammen: „La Marmotta“ befindet sich im Uferbereich des Braccianosee in der italienischen Region Latium. Dieser runde, etwa neun Kilometer breite See ist durch den Fluss Arrone über eine Distanz von nur 38 Kilometern mit dem Mittelmeer verbunden. Seit den 1990er Jahren haben Unterwasserarchäologen in La Marmotta immer mehr Spuren einer bäuerlichen Siedlung der Jungsteinzeit aufgedeckt. Radiokarbondatierungen zufolge bestand sie dort von vor etwa 7700 bis 7150 Jahren.
Fünf Einbäume im Visier
Zu den besonderen Fund-Highlights von La Marmotta gehören auch fünf Kanus, die im Zuge der archäologischen Untersuchungen am Seegrund entdeckt wurden.

Die aus ausgehöhlten Bäumen gebauten Boote wurden mittlerweile präpariert und ihre grundsätzlichen Merkmale sind bekannt. Der größte dieser Einbäume ist dabei fast elf Meter lang und weist eine besonders interessante Gestaltung auf. Im Rahmen der aktuellen Studie haben sich Gibaja und seine Kollegen nun der genaueren Untersuchung des Holzmaterials der fünf Kanus gewidmet. Außerdem führten sie Radiokarbondatierungen durch, um zu überprüfen, inwieweit die Boote zu der Datierung der jungsteinzeitlichen Siedlung passen.
Wie die Forschenden berichten, konnten sie bestätigen, dass die Kanus tatsächlich ebenfalls aus der Zeit von vor 7700 bis 7150 Jahren stammen. Die direkte Datierung zeigt damit nun, dass es sich um die ältesten bekannten Zeugnisse der jungsteinzeitlichen Bootsbaukunst im mediterranen Raum handelt, so die Autoren. Aus den Untersuchungen des Materials ging zudem hervor, dass die fünf Kanus aus den Stämmen von vier unterschiedlichen Baumarten hergestellt wurden: Eiche, Erle, Buche und Pappel. Es liegt dabei nahe, dass die Verwendung der unterschiedlichen Holzarten mit der geplanten Nutzung verbunden war.






