Das kleine Grabhügelfeld lag am Fuße des Bergs Bussen unweit des frühkeltischen Machtzentrums Heuneburg. Die Beigaben aus den Gräbern, die teilweise im Block geborgen wurden, werden zurzeit in den Restaurierungswerkstätten des Landesamts freigelegt und dokumentiert.
„Wir haben tatsächlich mindestens drei bisher unbekannte frühkeltische Grabhügel entdeckt, von denen zwei Gräber besondere Beigaben enthielten” sagte Landesarchäologe Dirk Krausse. Sie stammen aus der mittleren und späten Hallstattzeit, also einem Zeitraum von etwa dem 8. bis Mitte des 5. Jahrhunderts v. Chr. Bislang seien am Fuße des Bussen – in rund elf Kilometer Entfernung der bedeutenden frühkeltischen Siedlung Heuneburg – noch keine vergleichbaren Gräber bekannt geworden.
Bronzener Reiter von überregionaler Bedeutung
Zwar waren zwei der drei Grabhügel, die noch Durchmesser zwischen 16 und 31 Metern besaßen, wahrscheinlich schon in der Antike beraubt worden, dennoch ließen sich bei allen drei noch Reste der in ihnen angelegten Gräber im Boden nachweisen. Dabei handelte es sich um hölzerne Grabkammern, die bis zu sechs mal 5,6 Meter groß waren.
Herausragend ist das Inventar aus Hügel 3, der zu etwa zwei Dritteln ausgegraben wurde. Er enthielt eine zentrale Grabkammer sowie eine Nachbestattung. Die große Grabkammer war beraubt worden und enthielt keine Überreste des oder der Bestatteten mehr, wies aber an der Nordseite eine Konzentration von Beigaben auf, darunter ein kleines bronzenes Reiterfigürchen. Die nicht ganz vollständige aber recht gut erhaltene Statuette zeigt einen Reiter oder eine Reiterin in stehender Haltung auf einem Doppelpferd. Die Bruchkanten an den unvollständigen Beinen lassen erkennen, dass die Statuette ursprünglich wohl an einem anderen Objekt angebracht war. Infrage kommen Fußkonstruktionen von größeren Bronzegefäßen oder die Oberseite von bronzenen Deckeln, ferner Möbel, Wagen oder Joche.
„Das kleine Reiterfigürchen ist der bedeutendste Fund, den wir bisher hier gemacht haben.” sagte Marcus Meyer, Archäologe am LAD und Leiter der Grabung in Unlingen. Aufgrund der Mitfunde lasse sich das Figürchen in die Stufe Hallstatt C datieren, also etwa in den Zeitraum 8./7. Jahrhundert v. Chr. Die Herkunft der Kleinplastik ist bislang noch nicht eindeutig gesichert, da im Augenblick noch nach Parallelen gesucht wird. Aufgrund der Gestaltung dürfte es sich um eine einheimische Arbeit handeln, beeinflusst von Vorbildern aus dem Raum südlich der Alpen. Damit besitzt das Stück in jedem Fall eine überregionale Bedeutung.
Nicht nur die Grabausstattung der Unlinger Grabhügel macht sie besonders, sondern auch die räumliche und zeitliche Nähe zur frühkeltischen Heuneburg. Hier beginnt die Besiedlung etwa um 620 v. Chr. Die Gräber in Unlingen stammen sowohl aus der Zeit vor der Errichtung der Heuneburg als auch aus der Zeit ihres Bestehens. Welche Beziehungen zwischen deren Bewohnern und den Bestatteten aus den Unlinger Gräbern bestanden haben, lässt sich derzeit noch nicht beantworten. Allein aufgrund der räumlichen Nähe sind Kontakte zur dortigen Bevölkerung aber anzunehmen.





