Der Seidenmantel wurde vermutlich Ende des 8. oder Anfang 9. Jahrhunderts in Byzanz hergestellt. Seinen Namen erhielt dieses kostbare Gewand jedoch von einem christlichen Märtyrer aus der Zeit des römischen Kaisers Marc Aurel. Damals wurde eine ganze Familie wegen ihres christlichen Glaubens und ihrer Weigerung ihm abzuschwören hingerichtet, darunter auch der noch jugendliche Alexander. Die später als Reliquie verehrten Gebeine dieses Märtyrers sollen bei einer Prozession in der toskanischen Stadt Lucca eine wohlhabende Frau geheilt haben. Diese breitete daraufhin ihren kostbaren Seidenmantel als Dank über den Sarg Alexanders – so die Überlieferung.
Anlässlich der Gründung der Benediktinerabtei Ottobeuren im Bistum Augsburg wurden die Reliquien Alexanders mitsamt des nun als “Alexandermantel” oder” Pallium” bekannten Seidentuchs im Jahr 764 nach Oberschwaben gebracht. Noch heute erinnert ein Deckenfresko in der Basilika des Klosters an diese Begebenheiten. In ihm sind neben verschiedenen anderen Figuren auch die Kirchenpatrone Alexander und sein Bruder Theodor abgebildet, sowie mehrere Engel, die den Alexandermantel präsentieren.

Seidene Löwenkämpfer
„Bayern ist reich an Kunstschätzen. Doch mit dem Alexandermantel beheimaten wir ein besonders bemerkenswertes textiles Denkmal im Freistaat”, erklärt Mathias Pfeil, Generalkonservator am Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege. Eine Besonderheit des filigranen Seidengewebes sind mehrere Reihen mit den eingewebten Darstellungen von Löwenkämpfern paarweise einander zugewandt. Der Kämpfer stützt sich mit einem Knie auf den Rücken des Löwen und zwingt ihm den Kiefer auseinander. Diese Darstellung des Löwenkämpfers steht in der Tradition antiker Heraklesbilder und ihrer christlichen Umdeutung. Interpretiert wird die Darstellung als Verweis auf Christus, der das Böse bekämpft.
Mehrere Textilien dieser sogenannten Löwenkämpferseiden sind in Museen und als Reliquienhüllen in Kirchenschätzen erhalten geblieben. Der Alexandermantel ist jedoch unter anderem durch sein Alter und seine Größe besonders herausragend. “Er besticht unter allen bekannten Beispielen für die sogenannte Löwenkämpferseide durch äußerste Feinheit des Gewebes und hohe Sorgfalt in der Ausführung“, sagt Pfeil.





