Schwerhoff schildert minutiös den Verlauf der zahlreichen regionalen Erhebungen mit ihren Protagonisten. Basis der Ziele bildeten bald die „12 Artikel“. Mit ihren Forderungen nach „Evangelium und Gerechtigkeit“ fanden die Bauern oftmals Gleichgesinnte in den Städten, aber auch unter den fürstlichen Landsknechten, die kurzerhand die Seiten wechselten. Wichtige Triebfeder der Aufstände war der Hass auf den als raffgierig empfundenen Klerus; im Taubertal und in Franken strebte man gar eine Nivellierung der Ständegesellschaft an.
Viele Zitate und plastische Szenen vergegenwärtigen das packende Geschehen. Zunächst kam es zu wahren Siegeszügen der Bauernhaufen. Die Aufrührer schreckten nicht davor zurück, ganze Ortschaften oder örtliche Adlige unter Gewaltandrohung zur Gefolgschaft zu zwingen. Zahllose Klöster, Burgen und Schlösser wurden geplündert und zerstört; die Mächtigen gedemütigt: So musste der Bischof von Speyer im Kloster Herrenalb mit den Bauern verhandeln, nachdem er dort durch Berge von zerrissenen Urkunden und Bruchstücken zerstörter Heiligenskulpturen gewatet war und auf einem Strohlager hatte übernachten müssen. Die Bauern waren jedoch laut Schwerhoff – abgesehen von der berüchtigten „Bluttat von Weinsberg“ – nicht auf Gewalt gegen Menschen, sondern auf Verhandlungen aus, während der Adel zunächst hinhaltend agierte, um dann zum vernichtenden Gegenschlag auszuholen. Mit den Schlachten von Leipheim, Böblingen, Frankenhausen und Zabern verloren die Bauern das Momentum, das sie zunächst getragen hatte. Grauenvolle Blutbäder konnten die Fürstenheere unter dem Gegner anrichten, vor allem, weil dieser nicht über Berittene verfügte. Man muss von etwa 75 000 toten Aufständischen ausgehen, auf der Gegenseite fielen nur wenige.
Am Ende bündelt Schwerhoff geschickt seine Ergebnisse und setzt sich kritisch mit der These auseinander, der Bauernkrieg sei eine „Revolution des Gemeinen Mannes“ (Peter Blickle) gewesen. Widersprochen wird auch der Behauptung, die Bauern hätten Luther missverstanden. Vielmehr habe die reformatorische Lehre selbst die Sprengkraft für die Infragestellung der herrschenden Ordnung enthalten, so sehr Luther auch gegen die Bauern wetterte. Gerd Schwerhoff hat mit diesem gewichtigen Band ein Standardwerk verfasst.
Rezension: Dr. Heike Talkenberger
Gerd Schwerhoff
Der Bauernkrieg
Geschichte einer wilden Handlung
Verlag C. H. Beck, München 2024, 720 Seiten, € 34,–





