Am Anfang der Fundgeschichte stand die Planung für den Bau eines neuen Gewerbegebietes im Kreis Minden-Lübbecke, die auch ein archäologisches Gutachten umfasste. Als die Experten des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe einen Blick in die Informationsquellen zum Gelände rund um das geplante Gewerbegebiet warfen, hoben sie sofort den Zeigefinger: Die spezielle Lage deutete darauf hin, dass sich in dem Areal Bodendenkmäler im Untergrund schlummern könnten.
Das Gebiet befindet sich in der Nähe des prominenten Weserdurchbruchs “Porta Westfalica“, in dem sich der Fluss bei den Städten Porta Westfalica und Minden seinen Weg aus dem Bereich der Mittelgebirge in die Norddeutsche Tiefebene bahnt. Bekannt ist die Porta Westfalica zudem für das 1896 fertiggestellte Kaiser-Wilhelm-Denkmal, von dem aus Besucher einen Panoramablick auf die Landschaft im Nordosten Westfalens genießen können.
Funde im Bereich eines geplanten Gewerbegebiets
“Dort, wo die Weser durch das Wiehen- und Wesergebirge bricht, liegt ein echter archäologischer Hotspot”, erklärt Sven Spiong vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe. Denn das Wesertal bei Minden ist nachweislich seit über 7000 Jahren besiedelt. Und besonders bei der Porta Westfalica stößt es auf fruchtbare Böden, die ebenfalls bereits in den Jahrhunderten vor Christi Geburt beackert wurden. “Mögliche Spuren der Vergangenheit durften dort auf keinen Fall verlorengehen”, sagt der Archäologe. So erwirkten er und seine Kollegen die Auflage, dass vor den Bauarbeiten das 80.000 Quadratmeter große Areal zunächst in langen Suchschnitten archäologisch untersucht werden soll.
Und die Experten sollten Recht behalten: Das Ausgrabungsteam stieß tatsächlich auf interessante Funde: “Zum einen haben wir in der Region an der Porta Westfalica zum ersten Mal eine Siedlung des sechsten Jahrhunderts entdeckt, zum anderen stießen wir dort erstmals auf eine bronzezeitliche Grabanlage mit einem sogenannten Langbett, einem langrechteckigen Grabhügel”, berichtet Grabungsleiterin Jasmin Rüdiger. Wie der Landschaftsverband Westfalen-Lippe berichtet, ermöglichte die reichhaltige Befundlage auch Rückschlüsse auf das Verhalten der Siedlergemeinschaft in der Völkerwanderungszeit.
Siedlungsspuren und ein bronzezeitliches Grab

Bisher zeichnet sich ab: Im sechsten Jahrhundert lebte auf dem Gelände eine Gemeinschaft aus mindestens drei Familien für etwa ein bis zwei Generationen. Anschließend war möglicherweise ein Umzug angesagt: “Länger hielten die Holzhäuser mit den Holzpfosten im Boden damals nicht. Wahrscheinlich blieben die nachfolgenden Generationen aber in der Region und errichteten im weiteren Umfeld neue Höfe”, erklärt Rüdiger. Bei den Funden im Grabungsbereich handelt es sich unter anderem um Keramiken mit typischen Verzierungen des 6. Jahrhunderts. Offenbar hatten die Menschen auf dem Areal auch kleine Kostbarkeiten verloren: Besonders schöne Funde stellen zwei bronzene Broschen dar – eine kleine vogelförmige Fibel und eine weitere mit zwei im Stil der Zeit dargestellten Tierfiguren.





