Ein engagierter Pariser Bürger, dessen Identität nicht näher bekannt ist, forderte deshalb 1790 – ein Jahr nach der Erklärung der Menschenrechte – unter anderem Geschwindigkeitsbegrenzungen für Reiter, eine Mindestbreite für Trottoirs und ein Verbot zwei- und einachsiger Personenwagen. Auch im Straßenverkehr, so der anonyme Petitionssteller unter Berufung auf den Aufklärer Jean-Jacques Rousseau, sollten alle Menschen gleichberechtigt sein.
„Lasst euch die alten Registerauszüge zeigen und ihr werdet sehen, dass die Fahrzeuge alle zwei Tage fünf Personen zu Krüppeln machten“, so der anonyme Bürger, der die „unverschämte Brutalität der Kutscher“ kritisierte. Ausführlich machte
er Vorschläge zur Verbesserung der Situation und widerlegte zugleich mögliche Einwände gegen sein Anliegen, etwa dass ein Kutschenverbot zahlreiche Arbeitsplätze gefährden würde.
Hans Haselbach und Veronika R. Meyer haben die Streitschrift erstmals ins Deutsche übersetzt und kommentiert. Darüber hinaus widmen sie sich einleitend der Frage, in welchem Kontext das Dokument entstanden ist, und lassen weitere aufschlussreiche zeitgenössische Quellen wie Reiseberichte und Lehrbücher zum Thema sprechen.
Die Petition des engagierten Parisers wurde seinerzeit sogar gedruckt – doch ihr weiteres Schicksal ist unbekannt. Es ist davon auszugehen, dass das Anliegen nie ernsthaft geprüft wurde. Der Kampf mit dem Verkehrschaos sollte die französische Metropole noch in den folgenden Jahrhunderten begleiten – auch wenn die Kutschen zunehmend von den Straßen verschwanden und durch andere Fahrzeuge abgelöst wurden.





