Dass die Wikinger die Ostküste Nordamerikas erreichten, belegen Siedlungsspuren in L’Anse aux Meadows an der Nordspitze Neufundlands. Dort errichteten die Nordmänner etwa ab dem Jahr 1000 einfache Hütten aus Holzbalken und Torf. Sie dienten möglicherweise als kurzfristiger Stützpunkt oder Rastplatz der aus Grönland kommenden Seefahrer auf sommerlichen Erkundungsfahrten oder Jagdausflügen. Doch bisher ist L’Anse aux Meadows der einzige eindeutig belegte Wikingerstützpunkt in der Neuen Welt.
Verfälschte Datierung
Allerdings haben Archäologen auch an anderen Stellen in der kanadischen Arktis mögliche Hinweise auf die Präsenz der Wikinger gefunden. So wurden in Okivilialuk im Süden der Baffin-Insel von Inuit geschnitzte Holzreliefs entdeckt, die nach Ansicht einiger Forscher frühe Portraits von Wikingern zeigen könnten. Auch einige Überreste von gesponnenem Wollgarn und gewebten Stoffen ließen vermuten, dass es einen Kontakt der in dieser Gegend lebenden Inuit mit den Wikingern gab.
Das Problem jedoch ist die Datierung: Die meisten Fundstücke wurden aus Bodenschichten geborgen, die mit Spuren von Waltran und anderen aus Meeressäugern gewonnenen Ölen kontaminiert waren. Diese Öle jedoch sind meist jüngeren Ursprungs und sickerten von der Oberfläche in die älteren Schichten ein. Als Folge ist ein korrekte Radiokarbondatierung der Fundstücke kaum mehr möglich – das junge Öl verfälscht ihr wahres Alter.
“Unter anderem deshalb blieb bisher strittig, ob die in der kanadischen Arktis gefundenen Garne das Resultat eines Technologietransfers von den nordischen Siedlern Grönlands zu den Inuit der Dorsetkultur waren oder ob diese das Spinnen und andere Techniken der Faserherstellung bereits vor dem Kontakt mit den Europäern entwickelt hatten”, erklären Michéle Hayeur Smith vom Haffenreffer Museum of Anthropology in Rhode Island und seine Kollegen. Auch die Datierung der ebenfalls mit Ölresten kontaminierten Holzreliefs blieb unklar.
Aceton gegen das kontaminierende Öl
Um dieses Problem zu lösen, haben die Forscher nun eine überraschend einfache Methode entwickelt, um die Ölreste zu entfernen: das Auswaschen mit Aceton. Doch würde dies eine korrekte Datierung der Fundstücke ermöglichen? Um das zu testen, nutzten die Wissenschaftler einige nicht verunreinigte Holzproben, deren Alter sicher auf rund 42.000 Jahre datiert war. Diese tränkten sie dann in Öl, das aus heutigen Minkewalen und Sattelrobben gewonnen worden war. Wie erwartet, verschob dies das per Radiokarbonmethode gemessene Alter auf falsche 16.000 Jahre.
Es folgte eine sechs Stunden dauernde Extraktion der Öle mit Aceton, gefolgt von einer Nachbehandlung mit Alkohol und weiteren Lösungsmitteln. Als die Forscher nun erneut ihre Holzproben mittels Radiokarbonmethode datierten, erhielten sie das korrekte Alter von gut 42.000 Jahren. Das belege, dass diese Methode funktioniere, sagen Hayeur Smith und ihre Kollegen.





