Es war eine finstere Zeit für den Freiheitskämpfer. Indien feierte zwar im August 1947 seine Unabhängigkeit von der britischen Kolonialherrschaft, was Gandhi mit seiner Vision eines selbstbewussten, auf seine Tradition vertrauenden Volkes stets unterstützt hatte. Den Feierlichkeiten blieb er jedoch entmutigt fern. Er empfand die Unabhängigkeit als einen politischen Misserfolg, hatte sie doch die religiöse Spaltung Indiens in Hindus und Muslime nicht zu überwinden vermocht. Die Abtrennung des neuen Muslim-Staates Pakistan erschütterte ihn zutiefst. Durch die Flüchtlingsströme versanken weite Teile seines Landes in Chaos, Hass und Gewalt.
Dass Gandhi in seinem täglichen Gebetstreffen auch Koranverse verlas, kam für viele nationalgesinnte Hindus einem Verrat gleich. Während des Treffens Ende Januar feuerte einer von ihnen drei Schüsse auf den schmächtigen Körper des 78-Jährigen. Die Kunde vom Tod Gandhis verbreitete sich wie ein Lauffeuer in Delhi. Am 31. Januar 1948 geleiteten zweieinhalb Millionen Menschen seinen Leichnam zum Fluss Yamuna.





