Als Versuchslabor der Künste regte Wien um 1900 in besonders radikaler Weise den Treibhauseffekt der Moderne in der Musik an. Der neuen strukturellen Freiheit vorausgegangen war ein durch Richard Wagners „Tristan“-Harmonik ausgelöster Prozess, der die musikalische Sprache in letzter Konsequenz in eine Sphäre totaler Chromatik vorantrieb. Die Todesjahre von Johannes Brahms (1897) und Gustav Mahler (1911) mögen einen zeitlichen Rahmen für die Kernzeit einer Entwicklung abstecken, in der die Töne in nie zuvor gehörter Weise von traditionellen Standards gelöst und einem jegliche Konventionen sprengenden Ausdruck unterworfen wurden.





