Am 26. April 2025 wurde Papst Franziskus I. mit einer einfachen Feier in einem schlichten, ungeschmückten Grab in der Basilika Santa Maria Maggiore beigesetzt. Der Papst verzichtete damit auf die Privilegien seines Amtes und trat in die Fußstapfen seines Namenspatrons, des Heiligen Franziskus von Assisi, der im 13. Jahrhundert seinen extravaganten Lebensstil abgelegt hatte, um ein gottgefälliges Leben in Armut zu führen. Für die Wahl einer einfachen Bestattung lassen sich weitere mittelalterliche Vorbilder finden. Besonders als Bestattungen im 14. und 15. Jahrhundert immer aufwendiger und luxuriöser wurden, entschieden sich einige Personen aus der Oberschicht, auf diesen Prunk zu verzichten.
Was als überflüssig gilt, hängt vom Stand ab
„Dahin ist jetzt manch großer Narr, der um sein Begräbnis voll Sorge war. Und verwendet darauf so viel Gut, dass es noch manchen wundern tut.“ So heißt es in der wohl bekanntesten Gesellschaftssatire des späten Mittelalters, dem 1494 entstandenen „Narrenschiff“ von Sebastian Brant. Ein Narr ist, wer sich dem Begräbnispomp hingibt, denn – so schildern verschiedene moralische Schriften – Luxus hat keinen Nutzen für die Seele. Gerade im Angesicht des Todes solle sich der Mensch nicht um vergänglichen Besitz und weltliche Ehre sorgen, sondern um sein Seelenheil willen sein ganzes Denken auf das Jenseits richten.
Die Forderung, in der Nachfolge Christi ein demütiges Leben zu führen, stellte die gesellschaftliche Elite jedoch vor ein Problem: Um ihre herausgehobene Stellung zu verteidigen, musste sie ihren Rang immer wieder inszenieren und damit aktualisieren. Das galt auch für ihre Bestattung, welche die letzte Gelegenheit darstellte, Macht, Reichtum und Ehre zu repräsentieren und für die Nachkommen zu sichern. Eine Möglichkeit, diesem Drahtseilakt zwischen christlichen Idealen und weltlichen Bedürfnissen zu begegnen, war der in Testamenten formulierte Wunsch, die eigene Bestattung ohne Pomp zu gestalten.
Dies wird etwa in der 1481 verfassten letztwilligen Verfügung der Erzherzogin Mechthild von Österreich sichtbar, die Hoffart und weltlichen Prunk bei ihrer Beisetzung untersagte. Ihre Äußerung bedeutete aber keinesfalls, dass sie wie eine Frau des einfachen Volks bestattet werden wollte. Stattdessen verbarg sich hinter dieser Formulierung der Wunsch nach einer dem eigenen Stand angemessenen Beisetzungsfeier ohne überflüssigen Aufwand. Als überflüssig galt nämlich nur, was über das rechte Maß, welches wiederum vom eigenen Stand abhängig war, hinausging.
Das zeigen auch die sogenannten Luxusordnungen, die von den städtischen Obrigkeiten ab dem 13. Jahrhundert erlassen wurden. Kleidung, Spiele, aber auch Lebensfeste wie die Bestattungen wurden zum Gegenstand von Gesetzgebungen, die ein zulässiges Höchstmaß von Luxus definierten. Die Grenze zwischen erlaubtem Aufwand und zu vermeidendem Überfluss wurde in diesen mitunter je nach Stand unterschiedlich gezogen. Dem entspricht eine Reihe von Testamenten des 14. und 15. Jahrhunderts, die explizit eine Funeralfeier forderten, die dem Stand der verstorbenen Person angemessen war. Die Sorge darum, sich „richtig“ bestatten zu lassen, prägte diese Testamente ebenso wie das Bedürfnis, Überfluss zu vermeiden und damit dem Seelenheil zu dienen.





