Die Karte zeigt Geschehnisse, die sich am 17. Juli 1607 zutrugen. Die beiden Personen, die sich auf dem Domplatz gegenüberstehen, sind keine Geringeren als Dietrich von Galen, der Vater Christoph Bernhards, des späteren Fürstbischofs von Münster, und der Vorsitzende der Ritterschaft, Erbmarschall Gerhardt Morrien, der bei diesem Kampf den Tod fand.
Auslöser des Streits war ein Jagdkonflikt, genauer der Raub von vier edlen, der Familie von Galen gehörenden Windhunden durch Beauftragte der Familie Morrien. Die Besitzungen der Familien Morrien und Galen grenzten aneinander; der genaue Verlauf der Grenzen und damit die Hoheitsrechte wie die Jagdgerechtigkeit waren schon des Längeren strittig. Die Stimmung war bereits aufgeheizt; Schmähschriften waren von beiden Seiten verfasst worden, verletzte Ehre stand auf dem Spiel.
Das tödliche Duell hatte einen Jahrzehnte währenden Prozess zwischen den beiden Familien vor dem zuständigen Gogericht Rheine-Bevergern zur Folge. In den über 10000 Aktenseiten ist auch ein Plan erwähnt, den die Witwe Morriens, Adolpha von Ketteler, zur Begründung ihrer Mordanklage eingereicht habe, und ebendies ist die Stadtansicht, um die es hier geht. Besonders interessant ist, dass die Duellszene schon zur Prozesszeit überklebt wurde: Während zuvor beide Männer mit ihren Waffen aufeinander losgehen, erscheint auf der Überklebung Galen eindeutig als Aggressor, der zuerst zieht – dies entspricht der Argumentation der Witwe, die den Maler offenbar nachbessern ließ. Sie suchte außerdem nachzuweisen, dass Galen vorsätzlich handelte; der Plan diente deshalb auch zur Rekonstruktion des Weges durch Münster, den Galen vor dem Duell nahm.
Doch die Argumente verfingen nicht. Nach zwölf Jahren erging das Urteil: Geldstrafe für Galen und Haftentlassung; das Gericht erkannte auf Notwehr zu seinen Gunsten. Die Witwe Morrien aber ging in Berufung und appellierte an die höchste Instanz, das Reichskammergericht in Speyer. Und deshalb tauchte der Plan in Bad Homburg auf: Er befand sich im Nachlass eines Beamten am Reichskammer‧gericht. Dieser hatte den Plan aus den Prozessakten entfernt und seiner Sammlung von Karten einverleibt.
Das Urteil des Reichskammergerichts ist übrigens nicht überliefert; Galen aber hatte von Münster genug und hielt sich bis zu seinem Tod auf seinen Gütern in Kurland und Livland auf.
Literatur: Mechthild Siekmann (Hrsg.), Tatort Domplatz. Der Münster-Plan von 1609 und seine Geschichte(n). Dokumentation und Faksimile. Bielefeld 2010.





