Seit 220 Jahren gehören zwei berühmte Skelette zur Anatomischen Sammlung der Universität Heidelberg: Sie sind mit Sammlungsnummern sowie den Namen Johannes Bückler alias „Schinderhannes“ sowie Christian Reinhard alias „Schwarzer Jonas“ beschriftet. Beide Männer waren legendäre deutsche Banditen, die im Frankfurter Raum zusammen Einbrüche, Erpressungen und Raubüberfälle begingen. Dem „Schinderhannes“ wurden mindestens 211 Straftaten nachgewiesen, vor allem Diebstahl, Erpressung und Raub, aber auch Mord. Wegen ihrer Taten wurde den beiden Kriminellen in Mainz monatelang öffentlich der Prozess gemacht. Im November 1803 wurden sie schließlich durch das Fallbeil hingerichtet.
Im Jahr 1805 übernahm der Mainzer Forscher Jacob Fidelis Ackermann den Lehrstuhl für Anatomie und Physiologie an der Universität Heidelberg und brachte die beiden Skelette mit, um sie dort weiter wissenschaftlich zu untersuchen Seither kamen immer wieder Zweifel auf, ob die Knochen in Heidelberg richtig dokumentiert wurden. Unklar ist bis heute zudem, wie der „Schinderhannes“ einst aussah. Denn von seinen Zeitgenossen gibt es nur wenige, teilweise widersprüchliche Beschreibungen in der Literatur. Auch Darstellungen – etwa Stiche oder Gemälde – sind von dem Banditen kaum vorhanden. Die wenigen erhaltenen Bildnisse entstanden zudem meist nach seinem Tod und beruhen eher auf künstlerischer Freiheit als auf authentischen Vorlagen.
Skelette wurden offenbar verwechselt
Um mehr über das Aussehen und die Identität der beiden historischen Räuber zu erfahren, hat ein Forschungsteam um Walther Parson von der Medizinischen Universität Innsbruck die beiden Skelette nun näher untersucht. Dafür analysierten die Molekularbiologen und Forensiker die Gebeine, unter anderem mit genetischen und chemischen Methoden, die Informationen zu Alter, Geschlecht, Herkunft und möglichen Erkrankungen der Individuen liefern. Diese Daten verglichen die Forschenden dann mit historischen Dokumenten.
Dabei zeigte sich überraschend: Das vermeintliche Skelett des „Schwarzen Jonas“ stammte eindeutig vom „Schinderhannes“. Das angebliche Skelett des „Schinderhannes“ ist dagegen nicht das des „Schwarzen Jonas“. Wem diese Knochen einst gehörten, ist noch unklar; wahrscheinlich stammen sie von einem anderen Räuber, der durch ein Schwert enthauptet wurde, statt mit der Guillotine, wie die Knochenspuren nahelegen. Die Nummern der Knochen mehrerer Skelette wurden offenbar zu Beginn des 19. Jahrhunderts verwechselt und falsch zugeordnet, schließt das Team.






