Er ist bereits berühmt für seine besonders farbenfroh erhaltenen Dekorationen und reichen Inschriften: Während in anderen Überresten altägyptischer Gebäude die Darstellungen meist verblasst oder vollständig verschwunden sind, haben sie im Tempel von Esna die Jahrhunderte überdauert. Denn sie schlummerten dort unter einer teils dicken Schmutz- und Rußschicht, die sie vor dem Zerfall bewahrte. Der Tempel von Esna befindet sich etwa 55 Kilometer südlich von Luxor mitten in der gleichnamigen Stadt. Erhalten ist allerdings nur noch die Vorhalle des Heiligtums, die dem eigentlichen Tempelgebäude des widderköpfigen Gottes Chnum vorangestellt war.
Von Schmutz und Ruß verdeckt – und geschützt

Dieser sogenannte Pronaos ist 37 Meter lang, 20 Meter breit und sein 15 Meter hohes Dach wird von 24 reich dekorierten Säulen getragen. Während die verschwundenen Teile des Tempels aus ptolemäischer Zeit stammten, wurde diese Vorhalle interessanterweise erst vor rund 2000 Jahren errichtet. Damals war das Land am Nil bereits eine römische Provinz. Die Ägypter führten ihre uralten Kulte in dieser Zeit allerdings fort. Dabei stellten sie die römischen Kaiser als Pharaonen dar – so auch auf der Außenfassade des Esna-Tempels.
Dass die Vorhalle so erstaunlich gut erhalten geblieben ist, hat wohl mit ihrer Lage mitten im Stadtzentrum von Esna zu tun: Der Bau verwuchs dort mit anderen Gebäuden und die Räume wurden weiterhin genutzt. So entstand auch die konservierende Schmutz- und Rußschicht auf den Abbildungen. Den Schatz erkannte allerdings erst der französische Ägyptologe Serge Sauneron. „Er hat ab den 1950er Jahren den Tempel von Esna und die damals sichtbaren Bildwerke systematisch dokumentiert“, sagt Daniel von Recklinghausen. Seit 2018 arbeitet er gemeinsam mit seinen Kollegen von der Universität Tübingen sowie des ägyptischen Ministeriums für Tourismus und Altertümer daran, die Reliefs, Malereien und Inschriften des Tempels weiter freizulegen und die ursprünglichen Farben wieder sichtbar zu machen. Dabei sind die Ägyptologen bereits auf interessante neue Entdeckungen gestoßen.






